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Franca Permezza
Prosciutto di Parma

Europa Verlag
2005
Übersetzt von Wolfgang Körner
319 Seiten
€ 19,90


Von Alemanno Partenopeo am 22.10.2005

  Gleichsam als neues Genre kann man die italienische Kriminalliteratur des 21. Jahrhunderts bezeichnen. Ausgelöst hatte diesen Boom zwar eine Amerikanerin, Donna Leon, aber auch die Italiener selbst widmen sich vermehrt wieder dieser Literaturkategorie. Das jüngste Beispiel liefert die in Amerika lebende Italienerin Franca Permezza. In ihrem Venedig Krimi „Prosciutto di Parma“ (Europa Verlag 2005) wird „der italienische Mann“ einmal ganz anders beschrieben.
  Commissario Adriano Trattoni ist an die 50 Jahre alt und schon etwas vergesslich. Sein lichtes Haar und die Gelenksprobleme machen ihm zwar zu schaffen, er kämpft aber nur zaghaft dagegen an, was ihn in den Augen der Autorin wohl sympathisch machen soll. Entgegen den Empfehlungen seines Arztes isst er als Vorspeise weiterhin seine Pasta, die ihm als Zuckerkranken jene Gelenksprobleme verschaffen, die er im feucht-kalten Venedig mit Angoraunterwäsche zu bekämpfen versucht. Adriano Trattoni ist ein guter Familienvater. Seine Frau arbeitet – wie übrigens die Autroin selbst - in einer Kunstgalerie und Tochter und Sohn leben im gemeinsamen Haushalt. Besonders aufopfernd kümmert sich der Commissario um seine Tochter. Er ist durchaus auch selbständig und kocht sogar selbst, wenn seine (um 18 Jahre jüngere!) Frau einmal länger in der Galerie zu tun hat. Für einen italienischen Macho wäre das völlig undenkbar. Adriano Trattoni verachtet Politiker und misstraut allen Dingen, die ihm zu schnell gehen, wie etwa der Computertechnik, mit der er sich einfach nicht anfreunden will. Adriano Trattoni gibt Almosen an eine Geigenspielerin, auch hat er Verständnis für Kunst. So bleibt er etwa extra lange vor Gemälden stehen und studiert sie, nicht aber ihre Schöpfer, sondern allein deren Inhalte, die Kunst an und für sich. Adriano Trattoni ist auch durchwegs politisch korrekt. Er hat weder etwas gegen Homosexuelle noch gegen Leute mit anderer Hautfarbe. Einzig seine Vergesslichkeit macht ihm zu schaffen, wenn er mehr oder weniger absichtlich vergisst, seine Getränke in den Bars zu bezahlen und die Rechnung so seinen Gesprächspartnern überlässt. Was ihm aber seine Frau nie verzeiht: wenn er zu spät zum Mittagessen oder - noch schlimmer - zum Abendessen kommt. Aber Adriano Trattoni ist ohnehin unverbesserlich: er isst jedes Mal so viel, als ob es seine Henkersmahlzeit wäre und die cucina seiner Frau ist nun einmal die beste und er lässt sie sich nur sehr ungern entgehen. Sind es diese Charaktereigenschaften, die sich italienische Frauen von Männern wünschen? Vergesslichkeit, Verschrobenheit, aber ein guter Familienvater zu sein und vor allem ein guter Esser in der Küche? Lesen sie selbst!
  Contessa Franca Permezza ist gebürtige Italienerin und studierte Kunstgeschichte in Florenz und Rom, wo sie auch ihre Dissertation schrieb. Heute lebt sie als Eigentümerin einer Surrealisten-Galerie (wie die Frau von ihrem Commissario) in San Francisco, wo der Nebel beinahe so dicht ist wie in Venedig im Spätherbst.

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