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Eduard Georges de Capoulet-Junac
Pallas ou la Tribulation
(1967)


Von Michael K. Iwoleit

  Meine Top Ten-Listen, dessen bin ich mir bewußt, kranken wie fast alle Auswahllisten dieser Art daran, daß sie zu englisch-lastig sind. Gibt es in anderen Sprachen wirklich so wenige herausragende Werke, die der besten SF in den englischsprachigen Ländern ebenbürtig sind? Ich werde diese Frage in späteren Fassungen meines Artikels noch genauer zu beantworten versuchen, möchte hier aber schon auf einen außergewöhnlichen französischen SF-Roman hinweisen.
  Capoulet-Junacs Roman gehört zu einem kleinen, erlesenen Subgenre, das man als "misantrophische SF" bezeichnen könnte und dem außer PALLAS nur Thomas M. Dischs THE GENOCIDES, das PICKNICK AM WEGESRAND der Brüder Strugatzki und einige verstreute Kurzgeschichten angehören. Diesen Werken ist gemeinsam, daß sie die menschliche Hybris, sich als "Krone der Schöpfung" zu betrachten, gründlich demontiert haben.
  Eine Zusammenfassung von PALLAS könnte auf einen Invasionsroman schließen lassen, wie es schon viele gegeben hat: krakenartige Außerirdische entführen einige Hundert Menschen auf ihren Heimatplaneten, wo sie sie als eine Art Schoßhündchen in ihren Behausungen halten. Es ist jedoch ein Meisterstück, mit welcher Gründlichkeit und Genauigkeit und mit welchem glasklar-nüchternen Stil Capoulet-Junac die immer verzweifeltere Extremsituation der Menschen auf Pallas schildert, denen es weder durch Rebellion, noch durch intellektuelle Anstrengungen, noch durch sexuelle Annäherungen gelingt, von ihren Herren als vernunftbegabte Wesen von eigener Würde anerkannt zu werden.
  Das Ganze ist ebenso eiskalt-konmsequent wie poetisch und macht PALLAS zu einem der eigenständigsten Romane (nicht nur) der kontinentaleuropäischen SF.

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