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J. L. Borges
La Bibiloteca de Babel
(1941)


Von Michael K. Iwoleit

  In der lateinamerikanischen Phantastik ist die Grenzziehung zwischen Science Fiction, Weird Fiction und Fantasy weit problematischer als in der angloamerikanischen Genreliteratur.
  Weder J.L. Borges noch sein etwas weniger bekannter Kollege Adolfo Bioy Casares, um zwei der wichtigsten Vertreter zu nennen, lassen sich vom Gesamtwerk her eindeutig einem Genre zuordnen. Wenn wir aber die angloamerikanisch geprägte Vorstellung von Science Fiction nicht der übrigen Welt aufbürden wollen, führt kein Weg an der Feststellung vorbei, daß Borges *auch* Science Fiction geschrieben hat (und sich von ihr inspirieren ließ) und einige der Kurzgeschichten, die ihn weltberühmt machten, zu den besten SF-Erzählungen überhaupt zählen.
  "La Biblioteca de Babel" greift eine Idee von Kurd Laßwitz auf (der in seiner Kurzgeschichte "Die Universalbibliothek" das Konzept eine Bibliothek vorstellte, in der alles enthalten ist, was jemals geschrieben wurde und geschrieben werden kann) und spinnt sie zu einer seiner unvergleichlichen Parabeln aus, in denen - wie Stanislaw Lem ausführte - scheinbar unvereinbare Gegensätze zu einer höheren Einheit zusammen- geführt werden, in diesem Fall blinder Zufall und planvolles Schaffen.
  Borges hat sich, weil es ihm an eigener Einbildungskraft mangelte, immer wieder am Fundus der englischsprachigen Phantastik und Kriminalliteratur bedient, und er ist der vielleicht einzige Autor, dem ohne kritische Abstriche das Prädikat zukommt, ein genialer Epigone gewesen zu sein.

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