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Andrzej Sapkowski
Narrenturm
(2003)

dtv
2005
Übersetzt von Barbara Samborska
739 Seiten
€ 15,- [D] 15,50 [A]


Von Alfred Ohswald am 06.10.2005

  Der junge Gelehrte Reinmar von Bielau wird mit einer verheirateten Frau von den Brüdern ihres Mannes im Bett erwischt. Auf der Flucht verunglückt einer dieser Brüder und die anderen schwören Rache und verfolgen ihn in Zukunft unerbittlich. Ja, sie heuern sogar einige gedungene Meuchelmörder an, die sie ihm auf den Hals hetzen. Während Reinmar noch davon träumt, seine Geliebte zu befreien, hat sie ihn bereits der Hexerei angeklagt und damit auch die Inquisition auf die Fersen gehetzt.
  Ein befreundeter Geistlicher rät ihm, nach Ungarn zu fliehen und verschafft ihm die Hilfe des straffällig gewordenen, ehemaligen Ordensbruders Scharley, einem gewitzten, wehrhaften und allgemein recht lebensklugen Mann mit ausgeprägten Überlebenswillen. Doch Reinmar hat nur seine ehemalige Geliebte im Kopf und gerät dabei ständig in Teufels Küche. Nur sehr viel Glück, Scharley und später noch ein weiterer, etwas geheimnisvoller Begleiter helfen ihm immer wieder aus der Patsche, in die er sich meist selbst hineinmanövriert hat. Dabei ahnt er gar nicht, dass noch weit gefährlichere, dunklere Mächte hinter ihm her sind.
 
  Andrzej Sapkowski farbenprächtige Mischung aus historischem Roman und Fantasy spielt in Schlesien in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In der Nachbarschaft, in Böhmen rebellieren die Hussiten gegen die Europa dominierenden, katholischen Mächte und werden von fast allen Seiten bedroht. Fürsten und mächtige Kirchenmänner sehen sich in ihrer Macht bedroht und die Inquisition wittert überall Häresie, die Scheiterhaufen brennen immer häufiger an allen Ecken und Enden des Landes.
  Vor diesem Hintergrund erlebt der Held, der oft reichlich naive Tor Reinmar mit seinen Begleitern eine wahre Odyssee. Obwohl ständig auf der Flucht, steuert er mit abenteuerlicher Dickköpfigkeit von einem Schlamassel in den nächsten. Eine ganze Menge von ihm gut gesinnten Menschen hat ständig alle Hände voll zu tun, ihm immer wieder vor seiner eignen Torheit zu retten. Und außerdem hat dieser Reinmar auch immer im letzten Moment in größter Bedrängnis ein geradezu schlafwandlerisches Glück.
  Neben dem historischen Hintergrund spielen auch eine Menge phantastischer Elemente eine nicht unwichtige Rolle. Durch die Lüfte fliegende Hexen, Zauberer, Dämonen und andere, unheimliche Wesen tauchen von Zeit zu Zeit im Laufe der Handlung auf. Puristische Liebhaber streng historischer Romane könnten sich davon abgeschreckt fühlen, würden aber damit auch einen der herrlichsten Schmöker des Genres versäumen, die dieses Jahr erschienen sind. Sapkowski hat die Realitätsnähe und die Wahrscheinlichkeiten zugunsten der Fabulierfreude hintan gestellt. Es mag nicht immer alles besonders glaubwürdig sein, unterhaltsam und abenteuerlich ist es immer.
  „Narrenturm“ ist der erste Teil einer Trilogie und hat deshalb auch ein offenes Ende. Man darf gespannt und mit großen Erwartungen der Fortsetzungen harren. Der Start zumindest, ist geradezu perfekt geglückt.

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