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Terry Brooks
Das Schwert von Shannara/Der Sohn von Shannara
(The Sword of Shannara/The Son of Shannara)


Von Darko Spoljar

  Terry Brooks ist Verfasser zahlreicher berühmter Fantasy-Romane wie z.B. Hook. Seine "Shannara"-Reihe gilt als allgemein bekannt und setzt die berühmte Tradition der "Herr der Ringe"-Nachfolger fort, da die Shannara-Romane - gleich dem ebengenannten Werke Tolkiens - in mehreren weiteren Romanen fortgesetzt wird. Auch gibt es, wie bei dem berühmten Vorbild, mal wieder einen Bösewicht, der nur mittels eines Gegenstandes - diesmal ist es ein Schwert, anstatt eines Ringes - besiegt werden kann und, noch dazu von einem eher kampfunerfahrenen, blutigen Anfänger (ebenfalls gleich dem berühmten Kultwerk). Soviel zu den Parallelen.
 
  In dem ersten Roman "Das Schwert von Shannara" wird die Geschichte von Shea, einem Talbewohner des Südlandes erzählt, der halb Elf - halb Mensch ist, und eines Tages von dem undurchsichtigen Druiden Allanon aufgesucht wird, um Heim und Haus zu verlassen, damit die Welt vor dem bösen Dämonen-Lord gerettet wird, denn Shea ist der letzte "Sohn von Shannara", der einzige, der den Dämonen-Lord mittels eines Schwertes, welches bereits die Ur-Ahnen von Shea zum Kampf gegen das Böse geschwungen haben, besiegen kann.
  Doch gilt es zuerst, das sagenumwobene Schwert zu finden und es aus den Klauen der "Schädel-Träger" - den Gehilfen des Dämonen-Lordes - zu entreißen, daß sich in Paranor befindet. Der zunächst ungläubige Shea macht sich dennoch auf, und verläßt - die Verfolger bereits im Nacken - sein Zuhause zusammen mit seinem Halbbruder Flick. Unterwegs trifft Shea seinen Freund Menion Leah, der sie durch eine Landschaft - das Tiefland von Clete - führen und ihnen helfen soll, das geheimnisvolle Schwert zu finden. Zu dieser kleinen Gruppe gesellen sich noch der meistens mürrische Zwerg Göndel und Prinz Balinor, ein mutiger Abenteurer, der im Laufe der Geschichte noch viel an Bedeutung gewinnt. Gemeinsam machen sie sich auf, das Böse zu besiegen und werden auch sofort schon von Goblins und anderen Kreaturen des bösen Lordes erwartet.
 
  Im zweiten Roman "Der Sohn von Shannara" kommt die kleine Gruppe - nach einer beschwerlichen Reise - in Paranor an, muß dort aber zu ihrem Entsetzten feststellen, daß alle Wachen getötet wurden und das Schwert aller Wahrscheinlichkeit nach schon von den Schädelträgern geklaut wurde. Trotzdem gilt es, das Schloß zu durchsuchen.
  Die Gruppe wird zersplittert; es folgen etliche Kämpfe gegen Gobblins, riesige feuerspeiende Ungeheuer, Trolle usw, wobei sich die Gruppe unfreiwilligerweise wieder teilt, so das sich zeitweise fast jeder alleine - oder höchstens zu zweit - durchschlagen muß, was noch mehr für Spannung sorgt, da nicht nur Paranor, sondern auch das ganze Land drumherum nur so von Knechten des Dämonen-Lordes wimmelt, die alle diesen handvoll Helden ans Leder wollen.
 
  Warum Terry Brooks mit seiner "Shannara"-Reihe soviel Erfolg hatte, wird jeder wissen, sobald er die beiden Romane gelesen hat. Er benutzt zwar etliche Motive aus dem übergroßen "Herr der Ringe" (die Ähnlichkeiten zu dem gewaltigen Vorbild sind zu offensichtlich, als das sie nur als "Zufällig" abgetan werden können, zumal jeder halbwegs begabte Fantasy-Autor - und Brooks ist hier eindeutig mehr als das - wohl schon einmal, wenn nicht gar öfter, den "Herr der Ringe" gelesen hat), beschreibt aber in einer detailreicheren und gekonnten Sprache die Natur und verbindet sogar vermeintliche Bösewichte zu Freunden; als Beispiel sei hier der Troll Keltset erwähnt, der durch den drollig-jovialen Krieger Panamon Creel (der übrigens für eine gehörige Portion Humor sorgt) zum Freunde Sheas wird, oder die Tatsache, daß einige Goblins durchaus nicht böse, sondern sogar Ärzte sind, die der Menschheit helfen wollen. Auch ist der Druide Allanon alles andere als der "liebe" Zauberer Gandalf aus Tolkiens Roman, eher würde man Erstererm einen depressiv-düsteren Charakter zuschreiben.
  Brooks verwendet viel Zeit, um seine Figuren vorzustellen und sie über sich selbst hinaus wachsen zu lassen, und das ist auch gut so, denn sonst wäre seine Geschichte kaum glaubwürdig. Das Besondere aber - und dies fällt gerade bei der Lektüre des zweiten Buches auf - sind aber die Action-Szenen. Diese nämlich sind zahlreich und werden von Terry Brooks in solch einer Detailpracht und Kraft erzählt, daß es eine wahre Freude macht, sie zu lesen. Die Szene, wie alle zusammen in einem beklemmend-engen Raum gegen ein riesiges, schuppiges Ungeheuer kämpfen ist dabei nur eine der vielen spannenden Kämpfe. Der Kampf zwischen dem Druiden Allanon mit seinen Zauberkräften und einer enorm widerstandsfähigen Kreatur des Dämonen-Lordes ist ebenfalls packend, jedoch nicht platt geschrieben.
  Ein weiterer Pluspunkt ist, daß Brooks selbst Nebenfiguren nicht einfach nur auftauchen und dann wieder verschwinden lässt, sondern sich mit ihnen beschäftigt, ihnen Luft gibt, so das sich der Leser wünscht, mehr zu erfahren (tut er auch - Brooks läßt seinen Leser nie im Stich, im Gegenteil: Er spielt mit dem Leser mit!), die Nebenfiguren werden also auch weiterhin beleuchtet und genau geschildert, und nicht gleich wieder - wie in so vielen anderen Romanen - einfach "weggeblendet".
  Da ist noch etwas, was Terry Brooks gut kann. Zwar beschreibt er so manche Landschaft in allen Farben, mit all ihrer Pracht der Flora und Fauna, wobei diese Beschreibungen oft einen Touch eines Märchens bekommen, vermischt dieses aber gekonnt mit Schilderungen von düsteren Unorten (wie in der Szene, wo die Helden merken, daß der Dämonen-Lord schon zu seiner Invasion schreitet, da sich der Himmel vollkommen verdüstert und ein schreckliches Unwetter tobt) und jene Mischung macht den Roman eben so unkonventionell.
  Zwar liest sich der erste Roman etwas zäh, da Brooks erst langsam für den Aufbau sorgt und die Geschichte erst im letzten drittel so richtig spannend wird, dafür sorgt der zweite Teil für einen um so kraftvolleren Dauerschub an Spannung und Aktion - ohne jedoch dabei zu vergessen, viele kleine Sub-Plots zu erzählen, wie z.B. die Beziehung des Prinzen von Callahorn - Balinor - zu seinem verfeindeten Bruder, der unter dem (Haß-)Bann eines Mystikers steht, oder wie der zuerst ängstliche Flick - als Gobblin verkleidet - eine Befreiungsaktion startet, und zwar inmitten eines Lagers, das nur so von Trollen, Gobblins und Schädelträgern wimmelt, und wie so die Anerkennung des anfangs hochmütigen Allanons zu Flick wächst. Das sich die unähnlichen und so sehr verschiedenen Charaktere erst langsam im Laufe der Geschichte näher kommen, ist ebenfalls gut durchdacht.
  Alles in allem sind die ersten beiden Werke (die folgenden habe ich noch nicht gelesen) jedem Fantasy-Fan zu empfehlen. Vor allem Leser des schon so oft erwähnten "Herr der Ringe" werden diese beiden Romane verschlingen. Mir persönlich gefällt Brooks Geschichte an einigen Stellen sogar besser, als das gewaltige Kultbuch, doch dies - sollte ich wohl eher ganz behutsam und leise erwähnen!
  Zum Schluß noch etwas; eine weitere (und hier endlich letzte) Parallele zu Tolkiens Buch: Die Figur des Goblins Orl Fane, die das Schwert schon besessen hat, ohne das Shea es wußte - obwohl es die ganze Zeit greifbar war -, erinnert stark an eine andere Figur im "Herr der Ringe", die dort den Ring zuerst besitzt. Vor allem, wegen dem wirren Charakter. Klar, wer gemeint ist? Na denn...

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