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Hermann Himmelmann / Jürgen Hungerbach
Das China-Paradox
Warum keiner die Chinesen versteht und wie man mit ihnen trotzdem Geschäfte macht

Hanser
2005
240 Seiten
€ 19,90 [D] 20,50 [A]


Von Alfred Ohswald am 06.09.2005

  China ist als Wirtschaftsmacht mit seinen sagenhaften Wachstumszahlen in aller Munde und so liegt ein Berater für mittelständische Unternehmer, die sich in China engagieren wollen, natürlich recht nahe. Die beiden Autoren beginnen mit einer Mischung aus Anekdoten, den großen Chancen und Vorteilen und auch Warnungen vor üblichen Fehlern und falschen Erwartungen. Hier kommt auch die bei deutschen Wirtschaftsautoren anscheinend unvermeidliche Jammerei über die üblen Zustände in Deutschland selbst ausgiebig zu Wort. Böse Gewerkschaften und Umweltschützer, hohe Steuern und Löhne, unfähige Beamte und Politiker – das Übliche eben.
  Im nächsten, praxisorientierteren Teil beschreiben sie die nötige bzw. empfehlenswerte Vorgehensweise bei einem wirtschaftlichen Engagement in China. Das beginnt mit der Form der Beteiligung bzw. der Investition in ein Unternehmen, führt über die dabei nötigen Schritte zum Steuersystem Chinas, den Möglichkeiten der Konvertierung der Währung bis zu der Frage, ob und welche Berater und Rechtsanwälte man konsultieren soll. Schließlich gibt es noch ein paar Beispiele für erfolgreiche Projekte.
  Abschließend werden im Anhang noch einige grundsätzliche Daten – Geographie, Geschichte, wirtschaftliche Entwicklung, wirtschaftlich wichtige Gebiete usw. - zu China vorgestellt.
 
  Trotz der auch vorkommenden Warnungen, erinnert die auch hier demonstrierte Begeisterung ziemlich stark an die Lobeshymnen an Japan in den 80er-Jahren. Überall bekam man vom Bienefleiß der Japaner zu hören und selbst Hollywood zeigte schon Filme, in denen mit der Angst vor der Übernahmewut der Japaner bei Publikum Kassa gemacht wurde. Die Buchvorlage lieferte der damals jedem Trend zielgenau treffende Michael Crichton. Überraschend, dass er noch keinen China-Thriller geschrieben hat – aber das kann ja noch kommen.
  Natürlich können und sollen sich risikobereite Wirtschaftstreibende auch in China nach ihren Chancen umschauen. Aber die Vergleiche chinesischer mit deutschen Löhnen sind in dieser Form ein etwas plumpes Argument, dass für so ziemlich jedes andere 3. Welt-Land auch gelten würde. Unbestritten leistet China zur Zeit etwas Außergewöhnliches. Aber, wie bei jeder Diktatur – ist es auch ein Land mit hohen Risiken. Das verschweigen die Autoren zwar keineswegs, lassen aber manches, wie z.B. potentielle Konflikte unter den verschiedenen Nationalitätengruppen, weitgehend unerwähnt. Das Wort Tibet z.B. kommt in dem Buch nur ein einziges Mal vor und da auch in einem anderen Zusammenhang.
  Aber als Ratgeber für Wirtschaftstreibende überwiegt aber der positive Eindruck bei dem Buch. Die erwähnten Klagen über die üblen Zustände in Deutschland gehören in diesem Genre wohl dazu wie Metaphern in der Literatur.

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