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Frances Driscoll
The Rape Poems

Pleasure Boat Studio
1997
88 Seiten


Von Volker Frick am 20.07.2005

  Es war am 19. Oktober 2001, als ich William Slaughter, dem Herausgeber von Mudlark, einem Electronic Journal of Poetry & Poetics (‚Never in and never out of print’), eine E-Mail schrieb, da ich in einer der frühesten Ausgaben dieses Online Journals die Gedichte von Frances Driscoll entdeckt hatte.
 
  Er schrieb zurück: „They have attracted a lot of attention, as has the book that followed them, which is in its third printing now.“ Da er freundlicherweise die E-Mail an die Autorin weitergeleitet hatte, freute ich mich über ihre Antwort: „Be terrific if you wish to translate whole book and publish translation in Germany.“
 
  Denn das war meine Idee gewesen. Dann der Zweifel, ob es genuin sei, als Mann Gedichte einer Frau zu übersetzen, die von ihrer Vergewaltigung erzählen. Genuin fand wiederum sie die Idee, jedes einzelne Gedicht von einem anderen Menschen übersetzen zu lassen.
  Ein Vorschlag, der das eigene Scheitern verfestigte. Denn neben der Handvoll Gedichte, die meine Frau und ich übersetzt hatten, hätten jetzt noch Menschen gefunden werden müssen, die, gleich uns, überwältigt und engagiert zugleich auf diese Gedichte reagieren würden. Mitte des Jahres 2002 schrieb ich ihr „real friendly that you didn't ask for the 'translationproject'.“ Aber ich konnte dann den Mund doch wieder nicht halten: „I wrote something about you, a somehow portrait of the poetess“.
 
  Kurz danach postete Frances unter dem Subject „The Rape Poems play August at Edinburgh“ in der WISE-L aka European Women's Studies [wise-@listserv.funet.fi] den Hinweis auf die Dramatisierung ihrer Gedichte, um am Ende zu unterstreichen: „other news: both german and bosnian translations in progress.“
 
  Während meines E-Mail-Kontaktes mit der Autorin wechselte sie zweimal ihren Account. Natürlich hatte ich, quasi als Fluchtweg, etwas über sie geschrieben, und auch ein paar Takte über diese unglaublichen Gedichte. Es ist ihr zweiter Gedichtband. Bereits 1987 veröffentlichte der Verlag Black River Press den Band „Talk to Me“ mit Gedichten von Frances Driscoll. Eine Poetin war sie schon vor ihrer Vergewaltigung. Ihre Gedichte erschienen in Zeitschriften wie Massachusetts Review, Ploughshares oder Volt. Und eben in Mudlark. Ich schickte das Porträt damals an den zuständigen Literaturredakteur einer Tageszeitung, aber es kam nicht so richtig an.
 
  Da mit einer Übersetzung nicht zu rechnen ist, obwohl anzuraten, bleibt nur der Verweis auf das Original. Lesen Sie also diese Gedichte, die in den Vereinigten Staaten von Nordamerika längst Einzug gefunden haben in Selbsthilfegruppen und Polizeiausbildung, und die Sie aller Voraussicht nach ziemlich sprachlos zurücklassen werden.
 
  Die Gedichte von Frances Driscoll kommen mit einer dialektischen Souveränität daher, dass es eine Freude ist. Gedichte über eine Vergewaltigung. Fragmentarisches, das in wenigen Zeilen das Grauen übersteigt. Dann eine seitenlange konzise suada, detailversessen, unerträglich. „Sometimes return / is all anyone wants.“
 
  Vor Jahresfrist lernte ich eine Frau kennen, mehrfach als schizophren diagnostiziert. Sie kannte dieses Buch. Mich verwunderte das nicht, aber wir können nicht die einzigen bleiben. Einen ersten Eindruck können Sie sich via Mudlark verschaffen, immerhin 15 Gedichte (www.unf.edu/mudlark). Danach werden Sie mehr von diesen wundervollen Gedichten lesen wollen, die Frances, zehn Jahre nach ihrer Vergewaltigung, veröffentlichte. Es bleibt Ihnen überlassen, aber dieses eine Mal – diesmal – nehmen Sie den Hinweis nicht hin, sondern ernst.
 
  Nicht das letzte der 43 Gedichte des Bandes:
 
  FINAL WORDS
 
  I know you may not believe me, he said. But
  I’ll be out there. I’ll be out there. I’ll be
  waiting for you.

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