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Bruce Sterling
The Zenith Angle
(2004)

Del Rey Books
2005
352 Seiten
$ 6,99


Von Till Westermayer am 30.05.2005

  Wie auch William Gibson mit „Pattern Recognition“ ist Sterling mit „The Zenith Angle“ endgültig in der Gegenwart angekommen; „Zeitgeist“ war bereits in einem ähnlich gegenwartsnahen Setting angesiedelt (1999 bis 2002). Eine zweite Gemeinsamkeit (wie auch Banks' „Dead Air“) ist die literarische Verarbeitung des 11. Septembers 2001, nimmt das Ereignis explizit auf und macht es zum Ausgangspunkt für die Verwandlung des Dot-Com-Informatikgurus Derek 'Van' Vandeveer.
  Dieser sieht - auch aus seinem persönlichen Hintergrund heraus, sowohl sein Vater als auch sein Großvater haben für geheime Regierungsbehörden gearbeitet - es für seine Verpflichtung an, sein können jetzt der Regierung zur Verfügung zu stellen. Eine Spezialeinheit für Computersicherheit wird gegründet. Der Rest des Buches beschäftigt sich glücklicherweise nicht nur mit der nationalen Computersicherheit (und auch nicht nur mit der Aufdeckung eines tragischen Skandals um eine geheime Waffe), sondern vor allem mit der Entwicklung des Habitus und der Persönlichkeit eines Spions samt ihrer Schattenseiten, von der Waffenvernarrtheit über das unter starken Druck geratende Verhältnis zwischen Van und seiner Partnerin Dottie, als auch in Bezug auf die von Sterling schon in „Distraction“ untersuchten Innenseiten der Politik.
 
  Angesichts des düsteren und wenig SF-nahen Themas hätte dieses Buch eine katastrophale Enttäuschung werden können (die Verwandlung meines Lieblingsautors in eine Tom-Clancy-Kopie). Dem ist glücklicherweise nicht so, nicht zuletzt wegen der angedeuteten Beleuchtung auch der Schattenseiten, wegen Sterlings Talent zum Sarkasmus und zur Ironie (samt einigen »rants« über Computer, Blogs und Open Source sowie Selbstbezüglichkeiten, wenn etwa Heinlein zitiert wird oder der Spion-in-the-making zu einer Buck-Rogers-Heißklebepistole kommt), und wegen eines letztlich zum Glück doch sehr europäischen Endes.

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