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Andreas Gruber
Der Judas-Schrein

Festa
2005
464 Seiten
€ 24,- [D] 24,70 [A]


Von Alfred Ohswald am 18.05.2005

  Der Wiener Polizeikommissar Alexander Körner steckt in gröberen Schwierigkeiten. Durch eine Unachtsamkeit von ihm, wurden bei einer Geißelnahme einige Polizisten, darunter seine Partnerin, verletzt und ein Täter liegt im Koma. Um ihm die Rehabilitierung zu erleichtern, setzt seine Vorgesetzte ihn sofort an einen neuen Fall an. Im kleinen Dorf Grein an der niederösterreichisch-burgenländischen Grenze ist ein Mädchen an ihrem 14. Geburtstag ermordet worden.
  Doch Grein ist der ehemalige Heimatort Körners, den er seit dem Unfalltod seiner Eltern fast immer wie die Pest gemieden hat. Mit diesem Ort verbindet er nur unangenehme Erinnerungen und ist darum wenig glücklich mit diesem Fall.
  Körner und seine Kollegen stoßen dann auch auf wenig Entgegenkommen bei den Einwohnern. Sie kommen gerade zur Zeit sinnflutartiger Regenfälle, die den Fluss Trier immer mehr anschwellen lassen. Die Dorfbewohner haben alle Hände voll zu tun, um ihn mit einem Damm aus Sandsäcken zu bändigen.
  Die ersten Ermittlungen bringen sie nicht recht weiter. Bei der Obduktion des Opfers ergeben sich einige recht seltsame Ergebnisse, die sie aber nicht recht einordnen können. Als sie erfahren, dass auch zwei Geschwister des Mädchens jung starben, beginnen sie hier und beim einzigen Freund des Mädchens mit ihren weiteren Nachforschungen anzusetzen. Bei den Geschwistern fallen ihnen einige Ungereimtheiten auf. Anscheinend starben auch sie an ihrem 14. Geburtstag, was allerdings etwas ungeschickt vertuscht worden ist. Und den Freund des Mädchens treffen sie nur mehr erhängt in seinem Zimmer an. Was wie ein Selbstmord aussehen soll, stellt sich schnell als weiterer Mord heraus. Der Kreis der Verdächtigen wächst immer stärker und dann wird der Ort auch noch durch den Zusammenbruch der einzigen Brücke plötzlich völlig von der Außenwelt abgeschnitten.
  Irgendetwas scheint mit den Dorfbewohnern nicht zu stimmen und die Ursache scheint weit in der Vergangenheit zu liegen. Noch ahnen Körner und sein Team die Ausmaße der Bedrohung noch nicht annähernd…
 
  Andreas Grubers erster Roman, wenn man „Jakob Rubinstein“ als Episodenroman nicht mitzählt, beginnt wie ein ganz normaler Krimi und lange Zeit bleibt das auch so. Weil er beim Festa-Verlag in der Reihe „H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ erscheint und Titel und Titelbild eindeutig auf einen Horrorroman hinweisen, erkennen die Leser natürlich schon bei den ersten Anzeichen, dass hier mehr dahinter steckt. Aber der Autor gibt dieses Geheimnis nur sehr zögerlich preis, was aber die Spannung durchaus steigert. Dass bei einem Roman zum Cthulhu-Mythos des H. P. Lovecraft eine besondere Abscheulichkeit auf die Leser wartet, ist den Kennern klar. Gruber hat Shub-Niggurath, die Schwarze Ziege der Wälder mit den tausend Jungen aus dem reichhaltigen Fundus des Lovecraftschen Schreckenskabinetts ausgewählt.
  Das Buch ist insgesamt ein recht konventioneller Horror-Roman, die Ermittler stoßen in einer abgelegenen Gegend auf ein schreckliches Geheimnis. Etwas, dass man schon von vielen Büchern und Filmen kennt. Gruber hat dieses Szenario aber recht gelungen und stimmig umgesetzt. Seine Charaktere haben Persönlichkeit, der Hintergrund ist sehr gut getroffen und die Handlung bietet einige originelle Einfälle, ohne absurde Sprünge zu vollziehen.
  Der Cthulhu-Mythos liefert eigentlich nur das Monster, stilistisch orientiert sich Gruber nicht an Lovecraft. Der Roman ist eher weitgehend wie ein Krimi geschrieben. Nur beim Ende orientier sich Gruber am klassischen Vorbild.

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