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Friedrich Schiller
Maria Stuart

Deutsche Grammophon
2005
€ 8,- [D] 8,30 [A]


Von Eberhart J. Theuer am 09.05.2005

  „In der Szene II, 4, genau in der Mitte dieses Musterbeispiels dramatischer Algebra, treffen sie aufeinander: die schottische und die englische Königin, Maria Stuart und Elisabeth, zwei selbstbewusste Frauen, zwei Thronrivalinnen. Die Machtverhältnisse sind klar verteilt: Maria, die in England politisches Asyl suchte und wegen angeblichen Hochverrats im Gefängnis sitzt, hofft auf Begnadigung. Und Elisabeth, die die Vollstreckung lediglich aus Prestigegründen noch verzögert, nutzt ihre Position beim ersten Treffen schamlos aus, demütigt Maria und sonnt sich im Anblick ihrer Kniefälligkeit.
  Als auf Marias wohldosierte Demut keine Gnade erfolgt, schlägt die Situation jedoch dramatisch um, Maria gerät außer sich, und reagiert mit einem rhetorischen Rundumschlag, der seinesgleichen im Weltdrama sucht. Beim Thema „Würde“ konnte Schiller auch in seiner klassischen Phase noch sehr heftig werden“, so Uwe Ebbinghaus.
 
  Die hier besprochene Aufnahme des Bayerischen Rundfunks, neu als CD heraugebracht, stammt aus dem Jahre 1954. „Paula Wesselys Burgtheater-Interpretation der Maria Stuart“ meint Uwe Ebbinghaus dazu „gilt als Meilenstein in der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts“. Zurecht?
  Ich wurde vor dem Kauf der CD gewarnt. Paula Wessely sei schwach gewesen als Maria Stuart. Den CD-Erwerb habe ich nicht bereut, die Warnung allerdings war berechtigt. Betulich, ältlich, teilweise flötend – es fällt schwer sich die charismatische, schöne Herrscherin hinter dieser Stimme vorzustellen. Wesselys Gegenpart, Edith Heerdegen als Elisabeth hingegen glänzt. Sie versteht es ihrer Rolle königliches Funkeln und berechnende Kälte zu verleihen.
  Die anderen Personen sind überzeugend dargestellt, die Schauspieler große Namen, beispielsweise Attila Hörbiger (als Melville) und Hans Clarin (als Page).
 
  Gut interpretiert kommt die Zeitlosigkeit in Schillers Drama zum Ausdruck. Dort wo das Historische der Aufnahme deutlich wird, etwa in der Musik zwischen den Akten, ist es mehr Charme als Schaden.
 
  Wer mit Schillers Maria Stuart vertraut ist, den erwartet ein erfreuliches Wiederhören.
 Wer es nicht ist, den erwartet ein spannendes Hörerlebnis.

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