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Ralf-Peter Märtin
Dracula
Das Leben des Fürsten Vlad Tepes

Wagenbach
2004
205 Seiten
€ 10,90 [D] 11,30 [A]


Von Rudolf Kraus am 09.05.2005

  Der walachische Adelige Vlad Draculea regierte im 15. Jahrhundert als Fürst Vlad III. Tepes die christlich-orthodoxe Walachei, die im Osten vom osmanischen Reich und somit vom Islam bedroht wurde und im Westen an den Machtbereich des katholischen Ungarn grenzte.
  Sein Vater Vlad Dracul hatte bereits die Walachei als Fürst regiert und war dabei in Wechselwirkung einmal das Bündnis mit Ungarn dann wieder mit den Türken eingegangen.
  Vlad Tepes setzte in gewisser Weise die Bündnispolitik seines Vaters fort, jedoch entschiedener und mit weit reichenden Folgen. Er änderte die gesellschaftlichen Strukturen im Land mit maßloser Grausamkeit, indem er Bettler wie Adelige ermorden ließ und sich durch die Tötungsart des Pfählen sich den Beinamen „Tepes“ = Pfähler erwarb.
  Ralf-Peter Märtin greift aber die Geschichte jenes Fürsten auf, der als Vorlage für Bram Stokers berühmten Dracula-Roman diente, um die Geschichte dieser Region im Spätmittelalter aufzubereiten. Und diese Geschichte ist mehr als komplex, denn in dieser Zeit entwickelt sich ein heftiger Machtkampf zwischen christlichem Europa und den osmanischen Türken, deren Überlegenheit sich in militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht immer mehr manifestiert. Der Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 bedeutet auch den Fall des letzten christlichen Bollwerks an der Schwelle zu Asien. Vlad Tepes’ geschickte Kriegsführung gegen die Türken, die er als Geisel am Hofe des türkischen Sultans gelernt hatte, sicherte ihm ein kurzfristiges politisches Überleben.
  Die Türken dehnten geschickt ihren Machtbereich auf den Balkan aus und fielen gezielt in christlich-europäische Kernländer ein. Sie bedrohten damit das Zentrum des christlichen Abendlandes, das nur mühsam und schwerfällig zu reagieren fähig war.
  Ralf-Peter Märtin legt nicht nur eine spannende und feinst erarbeitete Studie des Fürsten Vlad Tepes vor, er bereitet die Geschichte des Balkans im Spätmittelalter kompetent und kurzweilig auf.

Von Alfred Ohswald am 31.05.2005

  Ralf-Peter Märtin beschäftigt sich in seinem Buch vorwiegend mit der historischen Figur dieses rumänischen Fürsten, den Bram Stoker dann als Vorlage für seinen berühmten Vampir auserkor. Wäre Vlad Tepes nicht dadurch berühmt-berüchtigt geworden, würde es heute wohl kaum Biographien über ihn geben. Auch wenn er mit seiner Mischung aus Tapferkeit, militärischem Geschick und ausufernder Grausamkeit eine wahrlich schillernde Figur abgibt. Ist er in Rumänien durch seinen erfolgreichen Kampf gegen die weit überlegenen Osmanen unter Mehmed II., dem Eroberer Konstantinopels, ein nationaler Volksheld, so steht er in der Überlieferung anderer Länder, nicht zuletzt wegen seiner Gewaltexzesse, mehr als negative Figur da. Den Beinahmen „Der Pfähler“ trug er in keinem Fall ganz zu unrecht.
  Märtin beginnt seinen geschichtlichen Abriss mit der Jugendzeit von Vlad Tepes’ gleichnamigen Vater und endet mit dem unrühmlichen Ende, sein Kopf auf einer Lanze der Osmanen präsentiert. Dazwischen liegt ein turbulentes Leben und geschätzte 40.000-100.000 von ihm meist extrem grausam getötete Opfer.
  Im vorletzten Kapitel stellt Märtin diese Grausamkeiten in den historischen Kontext dieser insgesamt zu exzessiver Grausamkeit neigenden Zeit. Abschließend gibt es noch ein Kapitel mit einer kurzen Geschichte des Vampir-Mythos in Literatur und Film seit Bram Stoker.
  Sicher wird auch mancher Vampir-Fan dieses Buch interessant finden, es richtet sich aber in erster Linie an die historisch interessierten Leser. Die Türkenkriege im 15. Jahrhundert im heutigen Rumänien sind das zentrale Thema. Über die Persönlichkeit von Vald III. erfährt man nicht wirklich viel, zu dürftig oder offensichtlich parteiisch sind die Quellen über diesen Herrscher am Rande des damaligen christlichen Europa. So deutlich er durch seinen Erfolg gegen das Heer Mehmeds II. und seine legendären Grausamkeiten kurz ins Licht der Öffentlichkeit trat, gelang es ihm als Fürst eines kleinen, armen Landes natürlich auch nicht, neben den politischen Großkalibern seiner Zeit zu wahrer Macht und Bedeutung zu gelangen.

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