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Kirstin Breitenfellner
das ohr klingt nur vom horchen

Skarabæus
2005
74 Seiten
€ 12,-


Von Rudolf Kraus am 05.05.2005

  Die Wiener Autorin Kirstin Breitenfellner hat bereits mit ihrem Debütroman „Der Liebhaberreflex“ (erschienen 2004 bei Skarabæus) auf sich aufmerksam gemacht, wo sie sich mit der Charakteristik des Liebhabers, seiner Methodik und der Wirkung seiner Rituale auf ironische Weise auseinander setzt.
  „das ohr klingt nur vom horchen“ ist ein lyrischer Zyklus der Sinnesorgane, wo medizinische Begriffe mit sprachgewandter Leichtigkeit in poetische Gewänder schlüpfen, die keineswegs zu eng sitzen. „gehör / gang“ beinhaltet eben die titelgebenden Zeilen:
  „das ohr klingt / nur vom horchen wider / lärm pflanzt sich in blanken / nerven fasernd fort // der schweresinn bringt / nur in stille nieder / meidet flanken / ich und du an einem ort“
  Kirstin Breitenfellner komponiert diese Gedichte, sie setzt prosaische Begriffe, die an die Sprache von Ärzten erinnern, in neue Zusammenhänge, kombiniert ungewöhnlich, aber verständlich und kreiert damit poetische Gebilde, die als „DRUCK / STELLEN“ kombiniert mit Begriffen wie un-heimlich, an-ästhetisch, sinn-haft, a-mourös oder zeit-los einen Namen erhalten.
  Im zweiten Trakt „das tier verrückt ernährt die sucht“ wird Breitenfellners Poesie animalisch. So manche Zeile erinnert ein wenig an Morgenstern oder Ringelnatz, bei aller gebotenen Verwegenheit:
  „die zunge klebrig ausgelappt / nimmt fliegen an. die brunft / klatscht ab und quappt / gefräßig, stumpf“
  Die Autorin, nein Dichterin zeigt einen leichtfüßigen Umgang mit der Sprache, sie ist ihr eigen. Keine Nervenbahn ist zu eng, sie spaziert auf den Worten. Da kann es garantiert kein Nachteil sein, dass sie auch als Übersetzerin aus dem Russischen tätig ist, offenbaren sich doch da zusätzliche Klänge der poetischsten unter den slawischen Sprachen.

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