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Angela Toigo
Gebete einer Maus
Illustrationen Thomas Plassmann
(God and the mouse. A festival of reflective jubilation, 1972)

Herder
2004
Übersetzt von Karen Hilbert
48 Seiten
€ 5,- [D] 5,20 [A]


Von Richard Niedermeier am 20.04.2005

  Mäuse sind, jedenfalls in der Kinderliteratur, kleine, zarte, leicht verletztbare Wesen, die die Welt aus einer ganz anderen Perspektive sehen als die Großen. Darin sind sie den Kindern ähnlich und werden deshalb für sie zu vorzüglichen Identifikationsfiguren.
  Die schon früh verstorbene amerikanischen Benediktinerin Angela Toigo hat sich diese Nähe zunutze gemacht, um Kinder in das Beten einzuführen.
  Wie also betet eine Maus? Sie stellt sich jedenfalls nicht hin, um sich ihrer Gottesfurcht und Wohlanständigkeit zu rühmen wie der Pharisäer im Evangelium. Sie macht auch nicht viele oder gar hochgelehrte Worte. Sie nimmt einfach alles, was sie erlebt, und trägt es vor ihren „dios mio“ genannten Gott: wenn sie sich im Kornfeld verlaufen hat oder einen wunderbaren Sonnenuntergang erleben durfte; wenn sie ein paar Körnchen gefunden hat oder zum Geburtstag eingeladen war. Alles wird zum Anlass, um einige wenige, dafür aber ehrliche und tief aus dem Herzen kommende Worte zu Gott zu sprechen.
  Nie bedient die Autorin irgendwelche Klischees, die in der Maus nur das Nette, Niedliche immer Lustige sehen wollen. Diese Maus hat ein Auge für die Nöte anderer; sie weiß auch um die Bedrohung, die von Mausefallen und Katzen ausgeht; sie kennt Nachstellungen, Ablehnung und die Melancholie fallender, sterbender Blätter. Auch das sind Themen, über die sie zu Gott spricht.
  So verbirgt sich hinter der kleinen, von Thomas Plassmann höchst ansprechend gezeichneten Maus die sehr reiche, bis ans Mystische heranreichende Spiritualität der Autorin, der es gelungen ist, diese in den Verständnis- und Sprachhorizont der Kinder umzusetzen. Mit diesem Buch wird es den Kindern viel leichter fallen, ein reifes und fruchtbares Gebetsleben zu entwickeln.

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