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Bernd Harder
Das Lexikon der Großstadtmythen
Unglaubliche Geschichten von Astralreisen bis Zombies

Eichborn
2005
319 Seiten
€ 19,90 [D] 20,50 [A]


Von Alfred Ohswald am 20.03.2005

  Bernd Harder ist Sprecher der "Skeptiker"-Vereinigung GWUP und liefert mit „Das Lexikon der Großstadtmythen“ einen Überblick der Standpunkte dieser Vereinigung gegenüber Parapsychologie, alternativen Heilmethoden, UFOs, Pyramidenrätsel usw. Das Buch behandelt aber auch diverse, besonders in Zeiten des Internet weit verbreitete Gerüchte verschiedenster Art. Beide Themen passen nur begrenzt zusammen und hätten wohl besser jedes für sich in einem eigenen Buch behandelt werden sollen. Der Standpunkt gegenüber sämtlichen Erscheinungsformen der Esoterik ist natürlich weitgehend klar ablehnend, egal ob es um Homöopathie oder Entführungen durch UFOs geht.
  Zu fast 150 Themen oder bestimmten Fällen äußert sich der Autor und da bleibt im Einzelfall natürlich nur begrenzter Platz und in einigen Fällen ist er auch nicht auf dem aktuellsten Stand. So führt er bei der Astrologie nicht eines der berühmtesten Gegenargumente mit den Ein- und Zweieiigen Zwillingen an. Oder er schreibt zu Schwarzen Löchern, dass ein sehr großes im Zentrum unserer Milchstraße vermutet wird. Mittlerweile ist das nicht nur für unsere Galaxie durch zahlreiche Daten bestätigt worden.
  Es gibt aber auch reichlich „leichter“, unterhaltsamere Kapitel, wie der eine oder andere Internet-Hoax, absurde Gerüchte über Stars oder die Wahrheit hinter urbanen Legenden, wie Blut in der Schokolade, LSD-Klebebilder für Kinder oder Alligatoren in der Kanalisation.
  Wer sich für ein bestimmtes Thema eingehender interessiert, findet unter fast jedem Kapitel weiterführende Literatur angegeben.
  Eine Anmerkung in eigner Sache: In Kapitel „Das Sirius-Rätsel“ wird Klaus Richter zitiert, der auch für Buchkritik.at Bücher, meist über historische Spekulationen, rezensiert und ihre Autoren auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Von Alemanno Partenopeo am 22.10.2005

  Nicht umsonst arbeitet der Journalist Bernd Harder für die Zeitschrift „Skeptiker“. Er ist auch einer. Und er wird dafür bezahlt. Aber vielleicht ist das nur ein Mythos. Wie alles was Harder hier zusammengetragen hat und versucht der Aufklärung zuzuführen.
  Wer erinnert sich nicht an die vor kurzem durchs Internet gegeisterten Bonsai-Kätzchen, die in Flaschen großgezogen und durch Schläuche ernährt werden, damit man sie sich ans Revers stecken kann? Oder an die LSD-getränkten Klebebilder aus Kaugummipackungen? Oder an den tödlichen Wurm, den man sich durch den Verzehr von Döner-Kebap reinzieht? Diese und ähnliche Gerüchte kursieren schon seit langem in diversen leicht paranoiden Freundeskreisen und erzeugen bei den meisten ZeitgenossInnen ein ahnungsloses Schulterzucken, weil „was ist, ist und was nicht ist, ist möglich“ (um an dieser Stelle die Gelegenheit wahrzunehmen und die Einstürzenden Neubauten zu bemühen). Bernd Harder ging genau dieses dämliche Schulterzucken auf die Nerven und fühlte den gängigsten Großstadtmythen unseres Jahrhundert auf den Zahn. Er schreibt, dass die ersten dieser „Urban Legends“ schon in den 50ern verbreitet wurden und seither als sogenannte Wandersagen, Großstadtlegenden oder in Amerika als FOAF(„Friend of a Friend“)–Erzählung ihr Unwesen treiben. Laut Harder ging es dabei aber schon damals nur um Abenteuerlust, Habgier, Schadenfreude, Machbarkeitsdenken, Eifersucht, Ressentiments, Vorurteile oder um die „Wiederverzauberung unserer `kalten´, rationalen Welt“ (Zitat Harder). Der Volkskundler Rolf Wilhelm Brednich hatte schon Ende der Neunziger mit seinen Büchern (etwa: “Die Spinne in der Yucca-Palme“) auf die zutiefst menschlichen Eigenschaften der Phantasie (und: ...Einfältigkeit) hingewiesen.
  Bernd Harder sieht die Berechtigung seines Buches vor allem in der Warnung vor der erneuten Verbreitung solcher Lügengeschichten nach dem 11. September 2001 und seither vor allem durch das Internet. Seine Recherche mit zahlreichen Internettips und Hinweisen auf deren Entstehungsgeschichte ist in 12 Kapitel unterteilt. Von A wie Außerirdisches bis W wie Wissenschaft. Jedes Thema wird auf existierende Mythen durchleuchtet und auf Authentizitätsgehalt überprüft. Schade nur, dass alle Analysen Harders die Urban Legends als falsch entlarven, denn wie er selbst sagt: „Das faszinierende an Mythen bleibt trotz aller logischen Erklärungen bestehen: Es könnte ja doch etwas dran sein...“

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