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Eric Walz
Die Schleier der Salome

Blanvalet
2005
699 Seiten
€ 12,- [D] 12,40 [A]


Von Alfred Ohswald am 01.03.2005

  Salome wird an dem Tag geboren, an dem ihr Großvater Herodes der Große aufgrund einer Prophezeiung den großen Kindesmord durchführen lässt. Nur weil sie kein Junge ist, entgeht sie dem Tod, denn Herodes Wüten macht selbst vor der eigenen Familie nicht halt. Zwischen den Intrigen ihrer Machtgierigen Familie und den Beschränkungen der jüdischen Tradition für Mädchen wächst sie auf und eckt immer wieder an. Ein Vorbild ist ihre ältere Großtante Akme. Erst spät erkennt sie in ihr die Intrigantin, die über Leichen geht, um ihre eigene Macht zu stärken.
  Ein weiterer großer Einschnitt in ihrem Leben ist das Auftauchen des jungen Griechen Timon, in den sie sich bald verliebt. Er will den von ihrer Großtante veranlassten Mord an seinem Vater rächen und plant deshalb einen Anschlag auf Akme. Anfangs sucht er Salomes Nähe nur, um in die Nähe seines Opfers zu gelangen, doch auch er verliebt sich seinerseits in sie. Als das geplante Attentat auffliegt verschwindet er von der Bildfläche und Salome kann ihn, trotz aller Bemühungen, nicht ausfindig machen.
  Inzwischen geht der Machtkampf zwischen ihrem Vater, ihren Onkeln und ihrer Großtante um die Krone Judäas weiter und Salome steckt mitten darin. Ein manipuliertes Testament zwingt sie in die Abhängigkeit ihrer Eltern und nur eine Heirat, der sie beide zustimmen müssten, kann sie daraus befreien. Natürlich wollen beide ihre Macht behalten und darum muss sie dabei sehr geschickt vorgehen.
 
  Eric Walz beschäftigt sich in seinem zweiten historischen Roman erneut mit einer Frau, dieses Mal ist es die durch eine kurze Szene in der Bibel berüchtigte Salome. Neuere Forschungsergebnisse weisen auf eine andere Art von Frau, als den männermordenden Vamp aus der Bibel, hin. Eric Walz folgt diesem neuen Bild und beschreibt eine eigenwillige, selbstbewusste, ja regelrecht modern anmutende Frau. Allerdings passt gerade hier die berüchtigte Tanzszene, die Johannes dem Täufer den Kopf kostete, schlecht hinein. Sie stimmig einzufügen, gelingt ihm deshalb auch nicht recht, sie passt sich nur sperrig in die Handlung ein.
  Mit der Geschichte Salomes wird auch die Geschichte Judäas von den Tagen des Herodes bis zur Niederschlagung des Aufstandes der Zeloten und dem Untergang als eigenständiger Staat beschrieben. Jesus kommt allerdings nur am Rande vor, persönlich taucht er nie auf. Eric Walz verfällt zumindest in diesem Punkt nicht dem beliebten Muster mancher Autoren historischer Romane, ihren Protagonisten jede historische Figur, die auch nur halbwegs greifbar ist, über den Weg laufen zu lassen. Sonst kommt Salome allerdings selbst nach Rom, wo sie auch den römischen Kaisern Tiberius, Caligula und Claudius persönlich begegnet.
  Eric Walzs Erstling „Die Herrin der Päpste“ erntete ja ziemliches Lob und „Die Schleier der Salome“ ist ein würdiger Nachfolger. Er hat sich mit diesen beiden Romanen zweifellos in die erste Liga deutschsprachiger Autoren von historischen Romanen geschrieben. In diesem Genre kann er sich mit den meisten Kollegen und Kolleginnen durchaus messen lassen.

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