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Stephan Harbort
Der Liebespaar-Mörder

Droste
2005
351 Seiten
€ 19,95


Von Alfred Ohswald am 25.02.2005

  In den 50er-Jahren trieben im Raum Düsseldorf zwei Serienmörder ihr Unwesen, ihre Opfer waren Liebespaare in ihren Autos an abgelegenen Plätzen. Obwohl es Überlebende und damit Zeugen gab, waren die Beschreibungen zu unklar, um die Täter zu fassen. Erst nach einigen Jahren konnten zwei Täter gefasst und durch ein Geständnis von einem der Beiden vor Gericht gestellt werden. Der zweite Verdächtige, vermutlich der Haupttäter, stellte sich aber als harte Nuss heraus. Auch vor Gericht blieb er weitgehend unbeteiligt und stritt alle ihm vorgeworfenen taten rundweg ab. Absolut zweifelsfrei aufgeklärt konnten die Liebespaar-Morde bis heute nicht.
 
  Stephan Harbort hält sich bei seiner Beschreibung des Falles weitgehend streng an die Fakten, nur wenige Male versucht er sich in kurzen Abschnitten in die Täter hineinzuversetzen. Das ist allerdings unnötig und stört den sonst streng sachlichen Ton des Buches eher, spannend genug ist der Fall auch ohne solche Kunstkniffe.
  Abgesehen von diesen kleinen Ausrutschern merkt man bei Stephan Harbort, dass er „vom Fach“ ist. Alle Aspekte werden detailliert, aber nie langweilig erörtert und der Fall wirklich von allen Seiten beleuchtet. Neben seiner Fachkenntnis versteht Stephan Harbort es auch ausgezeichnet, Laien komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen. Besonders am Ende, wo die Leser anhand zweier Beispielfälle auf die Fallstricke von Indizienbeweisen und Geständnissen hingewiesen werden, zeigt er das besonders geschickt. Ist man bis dahin weitgehend von der Schuld des extrem unsympathischen Angeklagten überzeugt, regen sich dann doch leise Zweifel. Fast fühlt man sich an den berühmten Film „Die zwölf Geschworenen“ von Sidney Lumet mit Henry Fonda in der Hauptrolle erinnert.
  Etwa die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit den Morden und der Sucher der Polizei nach den Tätern, die zweite Hälfte dreht sich dann ausschließlich um die Gerichtsverhandlung. Die Bezeichnung „Tatsachenroman“ am Cover ist ein wenig irreführend, denn es ist ein Sachbuch. Was es aber keineswegs weniger spannend macht, eher im Gegenteil.

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