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Tim Powers
Declare
Auf dem Berg der Engel
(Declare, 2001)

Festa
2004
Übersetzt von Alfons Winkelmann
633 Seiten
€ 29,95 [D] 30,80 [A]


Von Alfred Ohswald am 02.02.2005

  Bereits als Junge wird Andrew Hale, Sohn einer katholischen Nonne und eines ihm unbekannten Vaters, vom britischen Geheimdienst angeworben. Anfang des 2. Weltkrieges wird er bei den Kommunisten eingeschleust und als ihr Agent in das von den Deutschen besetzte Frankreich geschickt. Dort arbeitet er im Untergrund als Funker zusammen mit der aus Spanien stammenden Elena für die Sowjets. Bald verliebt er sich in die junge überzeugte Kommunistin, die aber nur für die Partei lebt. Als die Sowjets ihre Spionageringe auffliegen lassen, gelingt ihnen knapp die Flucht und ihre Wege trennen sich.
  Schon in Paris hatte Hale einige seltsame Erlebnisse und erfährt in England, dass dabei bedeutend mehr dahinter steckt. Anscheinend gibt es gefangen auf dem Berg Ararat an der türkisch-sowjetischen Grenze übernatürliche Wesen, die über schier unglaubliche Kräfte verfügen. Diese Dschinns oder gefallenen Engel gibt es vereinzelt auch anderswo, allerdings gebunden an Orte oder Gegenstände.
  1948 versuchen die Sowjets Kontakt mit diesen Wesen am Ararat aufzunehmen und Hale soll das im Auftrag des britischen Geheimdienstes verhindern und die Dschinns mittels einer bestimmten Methode töten. Beide Seiten scheitern und erleiden dramatische Verluste. Aber die Sowjets haben ihren Plan noch nicht aufgegeben und wollen es 15 Jahre später erneut versuchen. Als die Briten davon erfahren, wird Hale erneut reaktiviert.
 
  Dieser Roman ist für Tim Powers zum Teil recht ungewöhnlich, ist er doch über weite Strecken eine Spionagegeschichte im Stil le Carrés. Bis auf Andeutungen dauert es etwa ein Drittel des Buches, bis das für ihn typische phantastische Element eine wirkliche wichtige, ja die zentrale Rolle zu spielen beginnt.
  Die recht komplexe Handlung wird mit Hilfe zahlreicher Zeitsprünge, aber fast immer aus der Sicht der Hauptfigur Andrew Hale erzählt, was ihre Vielschichtigkeit unterstreicht aber auch nicht zu sehr verwirrt. Überraschenderweise ist der Spionage-Part der bessere Teil des Buches, die eigentlichen Höhepunkte, die zweimalige Konfrontation mit den Dschinns am Berg Ararat, sind dann fast ein wenig enttäuschend. Aber das zeigt sich nur durch den Vergleich mit dem sonst durchgehend hohen Niveau, sonst würde es nicht auffallen.
  Die Spionagegeschichte orientiert sich eng an den tatsächlichen Geschehnissen rund um den für die Sowjets im britischen Geheimdienst tätigen Spion Kim Philby, der damals für beträchtliche Aufregung sorgte und auch zahlreichen anderen Autoren als Vorlage für Sachbücher und Romane diente. Die ungewöhnliche Mischung aus Spionage- und phantastischen Roman ist Tim Powers hier wirklich unglaublich gut gelungen. „Declare“ überzeugt sogar mehr, als sein bekanntester Roman „Die Tore zu Anubis Reich“.
  Man kann nur auf weitere deutschsprachige Veröffentlichungen dieses hierzulande viel zu wenig bekannten Autors hoffen. Der Festa-Verlag hat es jetzt nach dem Heyne-Verlag noch Mal versucht, hoffentlich mit mehr Erfolg.

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