Nancy Farmer Das Drachenmeer (The Sea of Trolls, 2004)Loewe Verlag 2005 Übersetzt von Simone Wiemken 478 Seiten ISBN: 3785553552 € 16,90 [D] 17,40 [A] sFr 29,90
Von Alfred Ohswald am 09.01.2004 Jack lebt mit seiner Familie in einem friedlichen, angelsächsischen Dorf. Eines Tages bittet der alte Dorfbarde seinen Vater, ihm Jack als Lehrling zu geben. Weil das eine große Ehre ist, kann sein Vater diese Bitte nicht abschlagen und so beginnt Jack seine Ausbildung als Barde. Die Barden sind bei den Angelsachsen, neben den weisen Frauen, die Erben der keltischen Druiden. Obwohl die Angelsachsen bereits Christen sind, stehen auch die Barden mit ihren magischen Fähigkeiten noch in hohem Ansehen. Aber der Frieden hält nicht an, eine Gruppe plündernder Nordmänner ist an der Küste gelandet. Niemand kann diesen fürchterlichen Kriegern widerstehen und so verstecken sich die Dorfbewohner im Wald. Jacks kleine, bezaubernde aber auch einigermaßen verwöhnte kleiner Schwester Lucy ist es dort aber entschieden zu unbequem und sie kann ihre Familie zur Rückkehr ins Dorf überreden. Eines Nachts treibt sie die Neugier auf die Straße und dabei fallen Jack, der sich nach ihr auf die Suche gemacht hat, und sie den Nordmännern in die Hände. Als Gefangene werden sie auf ihr Schiff verschleppt, um als Sklaven verkauft zu werden. Lucy ist als Geschenk für die Königin der Nordmänner gedacht und wird deshalb nicht als Sklavin verkauft und als Olaf, der riesige Anführer der Nordmänner, erfährt, dass Jack Barde ist, behält er ihn für sich, damit er später seine Heldentaten besingen kann. So begleiten die beiden Geschwister die Nordmänner auf ihrem Schiff in ihre Heimat und Jacks Abenteuer sollten damit erst richtig beginnen. Bis ins Land der Trolle, wo Drachen und andere fürchterliche Sagenwesen hausen und eine mächtige Königin herrscht, wird ihn sein Weg noch führen. Nancy Farmers spielt vor dem Hintergrund des 800 Jahrhunderts und der Zeit der Wikingerüberfälle in England. Diesen historischen Hintergrund verbindet sie mit den nordischen Sagen über Trolle, Drachen, die Nornen usw. zu einer Welt voller Magie und fantastischer Wesen. Manche dieser Dinge werden vielen Lesern an Tolkiens Mittelerde erinnern und noch viel stärker an Michael Crichtons „Eaters of the Dead“ (Der 13. Krieger). Allerdings sind hier die Trolle nicht wie in Crichtons Roman Menschen, sondern tatsächlich phantastische Wesen. Vor diesem Hintergrund erzählt Nancy Farmer die Geschichte des jungen Barden Jack und seinen Abenteuern bei den Nordmännern und im phantastischen Land der Trolle. Das zusammen ergibt nicht nur ein rundum gelungenes Jugendbuch, es kann sich auch durchaus mit den besten Fantasy-Romanen messen. Schon mit „Das Skorpionenhaus“ ist Nancy Farmers ein hervorragender Roman gelungen, mit „Das Drachenmeer“ hat sie ihn aber noch übertroffen. Nicht zuletzt ihre Charaktere wachsen den Lesern, trotz aller ihrer Zwiespältigkeiten, bald ans Herz. Und dann schafft sie es noch, ganz wunderbare und eindringliche, dramatische Höhepunkte zu erzählen, die es schaffen, die Leser tief in ihren Emotionen zu packen und mitzureißen.
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