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Graham Masterson
Das Insekt
(Trauma, 2002)

Heyne
2005
Übersetzt von Lilo Kurzmüller
255 Seiten
€ 7,95 [D]


Von Alfred Ohswald am 04.01.2005

  Bonnie bringt ihren arbeitslosen und –unwilligen Mann und ihren 17jährigen Sohn mit zwei Jobs durch. Ihr Mann trinkt zu viel und lässt sich vorne und hinten von ihr bedienen und so kommt es unweigerlich immer wieder zu Spannungen.
  Noch dazu ist ihr Nebenjob recht ungewöhnlich, sie betreibt eine kleine Firma, die Räumlichkeiten nach Morden und Selbstmorden säubert. Dabei kommen ihr natürlich oft schreckliche Szenen unter die Augen, auch wenn die Leichen selbst bereits weggeschafft sind.
  Eines Tages stößt sie an einem Tatort auf eine seltsame Schmetterlingsraupe und am nächsten Tatort findet sie erneut eine vor. Neugierig geworden, packt sie diese ein und bringt sie einem mit ihr befreundeten Biologen, der für Insekten an Tatorten und Mordopfern spezialisiert ist. Tatsächlich ist es eine Schmetterlingsart, die sonst nur in bestimmten Gegenden Mexikos vorkommt. Dort gibt es aus der Zeit der Azteken eine Legende über sie, dass ein schrecklicher Dämon in ihrer Gestalt auftritt und Menschen dazu bringt, ihre Angehörigen umzubringen.
 
  Die Haupthandlung des Romans dreht sich um das triste Leben der Hauptfigur, die zwei Jobs, einen nicht mehr geliebten Mann und einen Sohn, der ihr zunehmend auch fremd wird, ertragen muss. Wahrscheinlich ein nicht untypisches Schicksal für die untere Mittelschicht in den USA. Der zweite Handlungsstrang reiht das Buch in das Genre der Horrorthriller ein, obwohl der übersinnliche Teil durchaus auch als Phantasie der Hauptfigur gelten kann. Wenn man es auf diese Art auslegt, bleibt es ein Roman über eine Frau, die durch ihre widrigen Lebensumstände und den auf ihr lastenden Druck zu einer Wahnsinnstat getrieben wurde.
  Zuerst bekommen die Leser langsam Einblicke in den Alltag und die schon recht ungewöhnlichen Erlebnisse beim Nebenjob der Hauptfigur. Schilderungen von Tatorten stehen da neben Einkaufslisten fürs Abendessen. Gerade durch diese Mischung aus Grauen und Banalität wird der auf der Hauptfigur lastende Druck besonders deutlich.
  Das Buch ist in erster Linie ein Psychothriller, der übersinnliche Horror rund um den dämonischen Schmetterling spielt eigentlich nur eine Nebenrolle.

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