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Kai Meyer
Das Buch von Eden

Lübbe
2004
826 Seiten
€ 24,90 [D] 25,60 [A]


Von Alfred Ohswald am 01.01.2005

  Die Schergen des ehrgeizigen Erzbischofs von Köln verfolgen eine junge Frau, die eine mysteriöse Pflanze unter ihrer Obhut hat. Begleitet wird sie von dem Gelehrten Albertus von Lothringen, bekannter als Albertus Magnus, der sie mit dieser Pflanze an deren Ursprungsort weit im Osten bringen will. Nahe bei Köln kommt es zu einem traumatischen Zusammentreffen der Verfolger mit dem alten ehemaligen Ritter Corax und seiner Tochter Libuse, bei dem beide schwer gezeichnet werden. Sie treffen auf ihrer Flucht auf Albertus und seinen Schützling, die gerade mit Hilfe des jungen Novizen Aelvin aus einem Zisterzienser-Kloster entkommen sind, wo sie kurz Unterschlupf gefunden hatten und von ihren Verfolgern eingeholt wurden.
  Die so entstandene Gruppe macht sich jetzt gemeinsam auf die weite Reise in das Morgenland anzutreten, wo die riesige Armee der Mongolen sich gerade anschickt, die mächtige Sekte der Nizari auf ihrer letzten Bergfestung auszulöschen. Diese, in Europa besser als Assassini bekannten, fanatischen Attentäter unter ihrem legendären Anführer, dem Alten vom Berg, hatte es gewagt, einen Anschlag auf den Großkahn der Mongolen in Karakorum zu versuchen. Aber die Mongolen werden sich mit ihrer gewaltigen Militärmacht nicht mit der Vernichtung der Nizari begnügen, schließlich gibt es da noch das prächtige Bagdad praktisch vor ihrer Nase.
  Mitten in diesen Krieg hinein muss die Gruppe der Reisenden unter der Führung von Albertus. Aber vorher muss sie ihren hartnäckigen und rücksichtslosen Verfolgern entkommen. Mitten in Serbien geraten sie dann in eine Auseinandersetzung zwischen dem dortigen König und einer mächtigen Räuberbande, bei der auch ihre Verfolger eingreifen.
 
  Kai Meyer beschreibt die Geschichte dieses historischen Romans mit einer Portion phantastischer Elemente in zwei Handlungssträngen Die Haupthandlung erzählt über die Erlebnisse der Reisegruppe, wobei dabei die Schilderung aus der Sicht der Anführer ihrer Verfolger fast schon wieder ein eigener Nebenhandlungsstrang ist. Die zweite Handlungsebene spielt bei der Mongolenhorde, den Nizaris und in Bagdad.
  Dieses Stilmittel ist meist recht gut geeignet, um eine durchgehende Spannung zu halten und Kai Meyer nutzt diesen Umstand geschickt aus. Vielleicht mit Ausnahme einer relativ ruhigen Reisestrecke zwischen Deutschland und dem Balkan, gibt es kaum ruhige, geruhsame Abschnitte. Fast immer ist etwas los und das Rätsel um die geheimnisvolle Pflanze und das Reiseziel sorgt im Hinterkopf der Leser für gespannte Neugier auf das Ende.
  Obwohl es kein Roman mit sehr strengen Ansprüchen an die historische Realität ist, dafür sind die phantastischen Elemente zu stark vertreten, hat Kai Meyer doch offensichtlich recht ausführlich recherchiert. So findet man z.B. die legendären „Assassini„ selten so über die Legenden und Klischees hinausgehend beschrieben.
  Einige Dinge hätte der Autor allerdings auch weglassen können. So wirkt die Einbindung der mythischen Fähigkeiten von Libuse etwas aufgepfropft, und das gilt noch viel stärker für ihren Beschützer, den riesigen Eber. Weder beschützt er sie im entscheidenden Augenblick, noch spielt er irgendeine relevante Rolle, weil er dann die Reisenden ohnehin nicht begleitet. Die eine oder andere Straffung wäre also durchaus kein Schaden gewesen.
  Aber vermutlich spiele die Überlegung eine Rolle, dass sich historische Romane meist erst ab einem gewissen Umfang gut verkaufen. Was möglicherweise sogar zutrifft. Letztlich bleibt der Roman aber ein spannendes, ja mitreißendes Buch.

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