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Rudolf Kraus
Von eigenartigen helden und anderen seelendieben
Zusammengetragene Texte aus den verstreuten Anfängen 1975 – 1988

Edition Doppelpunkt
2004
73 Seiten


Von Elisabeth Schawerda am 31.12.2004

  Der 1961 geborene Rudolf Kraus macht Inventur und konfrontiert seine Leser mit seinen Anfängen, den sehr frühen Anfängen, zurückgehend bis ins Jahr 1975. Nach gründlicher Sichtung läßt er die guten Texte in die Öffentlichkeit zwischen zwei Buchdeckel gehen, die schlechten ins Feuer.( „Möglicherweise ertönen nun Stimmen: Wären nur alle ins Feuer gegangen!") - Diese in Klammer gesetzte Bemerkung fügt er im Anhang seinen Erläuterungen zur Herkunft der Texte bei. Warum? - Gewiß nicht aus Zweifel an der Qualität seiner jugendlichen Erzeugnisse. Ohne den Glauben an diese hätte er diese Gedichte nicht so sorgfältig mit Zeit- und Ortsangaben dokumentiert und aufbewahrt. Eher hat das der „treue killer" zu verantworten, der er sich selbst schon immer war.
  So früh die Texte auch entstanden sein mögen, sie tragen bereits alle Züge des Erwachsenen, der mit der Sprache sein ernsthaftes Spiel treibt. Hier ist ein Einsiedlerkrebs am Werk, der sich ein kleines, hartes, kratziges Schneckenhaus als Zuflucht und Zuhause wählt. Die Sprache ist der Raum dieses Einsiedlerkrebses, in ihr verbirgt er sich und stellt sich dar, gleichzeitig. Und die beiden Gegensätze scheinen einander die Waage zu halten.
  Es ist niemals eine Schmeichel- und Wohlfühlsprache. Selbstverletzend Verletzungen vorwegnehmend preßt sie ihre Inhalte in die beklemmende Enge des kürzestmöglichen Ausdrucks. - Enge kommt von Angst. Die Angst wird nicht sprachlich dichterisch verarbeitet, sie wird dichterisch dokumentiert.
  Das Schneckenhaus des ganz jungen schreibenden Einsiedlerkrebses ist noch dünnschalig und transparent. Wut, Empörung und Verzweiflung dringen durch ohne die Brechung der späteren Jahre. Mit spröder Trockenheit begegnet der Fünfzehnjährige sich selbst in scheinbarer Distanz, als wäre da immer etwas zwischen ihm und ihm. Ein wenig Genuß an der Selbstquälerei darf in diesem Alter dabei sein. Doch die Aufrichtigkeit der Form ist von Anfang an mit Entschiedenheit vorhanden. Es ist erstaunlich und beeindruckend. Und man ist in Sorge um das heranwachsende Kind, das der Autor einmal war.

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