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Greg Keyes
Der Dornenkönig
Die verlorenen Reiche I
(The Briar King. The Kingdoms of Thorn and Bone (Book One), 2003)

Blanvalet
2004
Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger
664 Seiten
€ 13,- [D] 13,40 [A]


Von Alfred Ohswald am 30.11.2004

  Der Waldhüter des königlichen Waldes Aspar erfährt, dass irgendetwas Unheimliches im Wald vorzugehen scheint. Er geht der Sache nach und trifft auf grausam bei einem Ritus getötete menschliche Opfer und noch seltsamere Tote ohne irgendwelche Verletzungen. Ein Wesen aus der Sagenwelt, dass er bisher für eine Ausgeburt der Phantasie gehalten hat, scheint im Wald herumzustreifen und auch vom legendären Dornenkönig, der das Ende der Menschheit bedeuten soll, ist immer wieder die Rede. Aspar dringt tiefer in den Wald vor, um herauszufinden, was hinter dieser Geschichte steckt.
  Währenddessen nehmen die Intrigen am Hof des Königreichs Crothenien immer mehr zu. Eine Prophezeiung spricht davon, dass beim Auftauchen des Dornenkönigs eine Königin auf dem Thron sitzen muss. Am Hof kennt niemand diese Prophezeiung aber es geschieht ein Anschlag auf das Leben der Königin und das scheint erst der Anfang der Probleme zu sein. König William schickt seine Frau und Töchter in eine abgelegene, gut gesichtete Burg, um sie vor weiteren Anschlägen zu schützen. Nur seine jüngste Tochter Anne, die sich leichtsinnig mit einem jungen Adligen eingelassen hat, schickt er nicht mit. Sie wird in ein besonderes Kloster gesandt, wo sie als Assassinin ausgebildet werden soll.
  Aber die Macht, die den Tod aller weiblichen Mitglieder der königlichen Familie will, hat mächtige Verbündete und übernatürliche Mittel zur Verfügung. Weder die Burg noch das abgelegene Kloster mit ihren wehrhaften Nonnen bieten wirklich Sicherheit, was auch für den König selbst inmitten seines Hofes gilt.
 
  Dieser erste Teil eines neuen Fantasy-Epos erinnert in mancherlei Hinsicht an George R. R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“-Reihe, auf deren Fortsetzung die Fantasy-Gemeinde bereits seit einiger Zeit ungeduldig wartet. Die Erzählperspektive aus der Sicht mehrerer Protagonisten und die in der Handlungsbeschreibung nur angedeutete Vielschichtigkeit der Handlung sind dabei für sich genommen noch nicht so einzigartig, die mörderischen Intrigen, denen bald auch zentrale Figuren zum Opfer fallen, schon deutlich mehr.
  Keyes lässt die Handlung sich langsam steigern, Anfangs geht es noch wie in zahlreichen anderen Fantasy-Romanen voran. Das Böse taucht auf und die Helden werden sich langsam der Gefahr bewusst, in der sie alle Schweben. Aber dann beginnt die Handlung zunehmend zu eskalieren und gandenloser zu werden. Ein Mord zwischen Geschwistern ist der Punkt, an dem die Leser zu ahnen beginnen, dass hier „die Netten“ nicht verschont werden, wie es in der Fantasy sonst meist weitgehend üblich ist.
  George R. R. Martin hat diese „harte“, gnadelose, „erwachsene“ Fantasy mit „Das Lied von Eis und Feuer“ begründet, Greg Keyes tritt mit „Die verlorenen Reiche“ in seine Fußstapfen. Er reicht vielleicht nicht ganz an den Meister heran, aber viel fehlt nicht. Die Folgebände werden zeigen, ob die durch diesen 1. Teil geweckten hohen Erwartungen gerechtfertigt waren.

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