Antal Szerb Reise im Mondlicht (Utas ès holdvilág)dtv 2003 Übersetzt von Christina Viragh mit einem Nachwort von Petér Esterházy 258 Seiten € 14,-
Von Claudia Janka-Chapó am 30.10.2004 Seit der sechsunddreißigjährige Mihály im Budapester Familienunternehmen arbeitet, ist der Weg für ihn vorgezeichnet. Als er schließlich auch noch Erzsi heiratet, glaubt er, den Rebell der Jugendzeit endgültig hinter sich gelassen zu haben. Doch es kommt anders: Bereits auf der Hochzeitsreise holt ihn durch die Begegnung mit einem alten Freund die Vergangenheit wieder ein. Als er seine Frau auf der Zugsfahrt „versehentlich verliert“, beginnt für ihn die abenteuerliche Reise zu sich selbst. Ein Schwächeanfall führt ihn zunächst über Perugia in ein umbrisches Kloster und zuletzt nach Rom, wo sich ihm nach und nach die Türen zu seiner Kindheit öffnen. Seine Jugendliebe Éva tritt immer wieder durch diese Türen in sein Dasein, und während Erzsi in Paris ihre neue Freiheit mit wechselnden Liebhabern genießt, muss sich Mihály auf dieser letzten Station seiner äußeren wie inneren Reise entscheiden, wie es mit ihm weitergehen soll... Das nach fast siebzig Jahren nun auch im deutschsprachigen Raum in einer Neuübersetzung erschienene Buch des großen ungarischen Autors Antal Szerb liest sich wie ein traumwandlerischer Spaziergang durch ein schmales italienisches Gässchen. Meisterhaft gelingt es dem bedeutenden Literaturhistoriker und begnadeten Erzähler, Stimmungen und Bilder vor dem inneren Auge des Lesers erstehen zu lassen, ja selbst Gerüche wahrnehmbar zu machen. Der Autor versteht es auch, tragische Umstände mit Humor und Ironie zu verwandeln und die melancholische Stimmung, die sich durch die ganze höchst mysteriöse Geschichte zieht, mit einem Hauch von Leichtigkeit, fast Komik, zu umgeben. Wenn Antal Szerb mit Hilfe seiner brillanten Sprache die verschlungenen Wege seiner Protagonisten zu erhellen sucht, scheint es, als erleuchte fahles Mondlicht eine venezianische Gasse. Diesem Buch von der Reise des Menschen zu sich selbst wohnt ein unwiderstehlicher Zauber inne – nicht zu Unrecht gilt es als ein Meisterwerk der ungarischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
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