Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Gerd Graenz
Herbsttage

Molden
2004
262 Seiten


Von Alfred Ohswald am 23.10.2004

  Frank Hansen, CIA-Mitarbeiter in Berlin, besucht Wien, um einen Vortrag des »Generals«, einen ideologischen Führers der Islamisten, zu hören. Bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof übergibt ihm ein Fremder einen Umschlag mit der Bitte, ihn einem Mann namens Raymond zu übergeben und wird in diesem Moment von einer Kugel getroffen. Eilig verlässt Hansen den Bahnhof mit einem Taxi, er ist sich nicht sicher, ob er dieser seltsamen Bitte nachkommen soll.
  Nachdem er den Vortrag des »Generals« voller wüster Hetzreden gegen den Westen gehört hat, soll er noch eine etwas seltsame Frau aufsuchen, die sich Madame Elvira nennt. Neben einigen undurchsichtigen Andeutungen über bevorstehende Waffengeschäfte mit Terroristen in Wien, macht sie ihm auch ein finanzielles Angebot für den Umschlag, in dessen Besitz er unter so eigenartigen Umständen gelangen ist. Die Übergabe wurde also offensichtlich bemerkt.
  Als er die schöne polnische Augenärztin Olga kennen lernt, ist er ihr fast vom ersten Augenblick an verfallen, obwohl in Berlin eine Frau auf ihn wartet, die er zu heiraten beabsichtigt. Und Olga scheint seine Zuneigung zu erwidern, doch das stellt sich als eine Falle heraus. Offensichtlich will jemand den ominösen Umschlag unter allen Umständen in die Hand bekommen.
 
  Dieser weitgehend in Wien spielende Spionageroman beschäftigt sich mit dem brandaktuellen Thema des islamischen Terrorismus und spielt bis in die Zeit des aktuellen Konflikts der USA im Irak hinein. Er hat eine sehr dichte, sehr verwickelte Handlung mit zahlreichen darin verwickelten Personen und Organisationen. Die Identität mancher am Rand beteiligter Figuren erfährt man nicht immer exakt und auch das Ende bleibt ziemlich offen, nicht jeder Handlungsbogen wird zu Ende geführt.
  Gerd Graenz beschreibt die Geschehnisse in kurzen, recht abgeschlossen wirkenden Kapiteln und bewegt sich ziemlich schnell durch die Handlung. Das bewirkt den Eindruck einer gewissen Sprunghaftigkeit und man benötigt einige Zeit, bis beim Lesen man vom Spannungsbogen erfasst wird.
  Gleichzeitig zu einer wahren Flut an Ereignissen, berichtet Gerd Graenz immer wieder von Gesprächen von Passanten, die sein Held zufällig mit anhört und die nicht immer etwas mit der Handlung zu tun haben und deshalb eher für Verwirrung als für Atmosphäre sorgen. Auch bei vielen Dialogen werden zu viele Alltagsgespräche wiedergegeben, was realistisch sein mag, den Spannungsbogen aber schadet. So würde es an einer Stelle z.B. vollauf genügen, wenn beschrieben wird, dass Hansens Kollege ihm wieder einmal über die Relativitätstheorie erzählt, einige Sätze davon wiederzugeben ist dagegen schon absolut überflüssig.
  Die Stärke des Romans ist die ausgefeilt konstruierte Handlung und sie ist auch, trotz aller geäußerten Kritik, guter Grund genug, das Buch zu empfehlen.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.