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James Ellroy
Die Rothaarige
Die Suche nach dem Mörder meiner Mutter

1997
461 Seiten
DM 16,90


Von Reinhard Wieser

  Auf keinem der Klappentexte zu Ellroys Büchern fehlt der Hinweis, daß er im Alter von 10 Jahren seine Mutter durch einen nie geklärten Mord verloren hat. Und in vielen der Werke thematisiert er dieses Trauma, versucht er, es durch Abwandlung zu distanzieren - man denke nur an die faszinierend-verstörte "Schwarze Dahlie". Nun hat es der Autor geschafft, sich direkt mit dem Fall zu befassen, sich mit seiner verdrängten Vergangenheit auseinanderzusetzen.
  Das Buch besteht aus 4 Blöcken: Im ersten wird in einer emotionsfreien, fast technischen, aber sehr differenzierten Polizeisprache der Fall vom Auffinden der Leiche bis zum Versanden der Ermittlungen einige Monate danach geschildert.
  Im zweiten Teil erzählt Ellroy sein Leben von dem Tag an, an welchem er seine Mutter verlor und zu seinem von ihr geschiedenen Vater ziehen mußte. Im Laufe von 20 Jahren entwickelt er sich in einer selbstzerstörerischen Spirale zu einem alkohol- und dorgensüchtigen Kleinkriminellen, bis er sich im letzten Moment besinnt und die Umkehr schafft.
  Der dritte Block beschreibt Werdegang und Charakter eines LA-Polizisten, welcher nach seiner Pensionierung Anfang der 90er Jahre von Ellroy als Privatdetektiv angeheuert wird, um den Fall neu zu untersuchen. Die Beschreibung dieses mühsamen Unterfangens bildet den vierten Teil.
 
  Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Es liest sich wie ein Krimi und ist doch ein Tatsachenbericht. Durch die schonungslose (Selbst)Darstellung des Autors werden auch voyeuristische Instinkte geweckt. Der Vorwurf des finanziell einträglichen öffentlichen Ausschlachtens von privatem Leben vermag einen Mann von der Besessenheit Ellroys nicht zu irritieren, ja man glaubt nach der Lektüre sogar, daß es für ihn der einzige mögliche Weg war, sich seiner Vergangenheit zu stellen.

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