Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Theodor Tomandl
Mord am Wiener Kongress

Molden
2004
303 Seiten
€ 22,80 sFr 38,80


Von Alfred Ohswald am 29.09.2004

  In der russischen Gesandtschaft stürzt ein Mitglied der Delegation zu Tode, die Ermittlungen von Oberkommissar Kasbauer werden aber sofort von höherer Stelle auf Betreiben der Frau des Verunglückten, die dem einflussreichen russischen Hochadel angehört, unterbunden. Spuren am Toten, die auf einen gewaltsamen Tod hindeuten, lassen Kasbauer aber keine Ruhe und er bleibt an dem Fall dran.
  In der gleichen Nacht wurde ein geheimes, brandgefährliches Dossier aus dem Safe der Gesandtschaft entwendet. Der Chef der Delegation wendet sich an Graf Niedernfels, einen Adligen vom Land, um ohne Aufsehen dieser Sache nachzugehen und sich auf den zahlreichen Veranstaltungen der höheren Kreise nach dessen Verbleib umzuhören. Mit dem Inhalt könnte der preußische Chefdelegierte erpresst werden und darum stellt es eine große Gefahr bei den zahllosen internationalen Verhandlungen während des Wiener Kongresses dar.
  Kasbauer und Niedernfels, obwohl von unterschiedlichen Stand, waren Jugendfreunde und treffen in Wien wieder aufeinander. Nach der herzlichen Begrüßung stellen sie bald fest, dass sie möglicherweise am gleichen Fall arbeiten und beschließen, ihre Ermittlungen inoffiziell zu koordinieren.
  Eine Uhr, die der Dieb gemeinsam mit dem Dossier aus dem Safe entwendet hat, wird einem Juwelier von einer Frau zum Kauf angeboten und der verständigt die Polizei. Die Dame wird festgenommen und mit ihrer Hilfe kommen sie auch dem Einbrecher auf die Spur. Doch hier endet die Fährte, denn der Mann wurde für den Einbruch und das Dossier bezahlt und kennt seinen Auftraggeber selbst nicht.
 
  Ungewöhnlich an diesem historischen Krimi ist zuerst einmal der Autor. Theodor Tomandl ist unter anderem Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung der Bundeswirtschaftskammer in und Professor für Arbeitsrecht und Sozialrecht an der Universität Wien und hat bereits zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten publiziert. Man kennt ihn also eher z.B. als Teilnehmer an Diskussionen im Fernsehen zu derartigen Themen. „Mord am Wiener Kongress“ ist sein erstes belletristisches Werk.
  Die Ausgewogenheit zwischen Beschreibung des historischen Hintergrunds und der Krimihandlung und ihren Figuren ist sehr gut geglückt. Deutlich ist eine gründliche Recherche des Autors zu erkennen, nicht zuletzt im Uhrenmuseum der Stadt Wien. Die häufige Beschreibung bemerkenswerter Uhren dieser Zeit ist schon fast ein wenig zu auffällig. Aber auch sonst gibt es, vom historischen Hintergrund bis zu Anekdoten über den Wiener Kongress, zahlreiche interessante und amüsante Details, die die Leser, in eine spannende Geschichte verpackt, in diesem Roman zu lesen bekommen.
  Dabei ist alles geschickt in die Krimhandlung eingebaut und drängt sich nicht oberlehrerhaft in den Vordergrund. Auch diese Krimihandlung selbst ist klug ausgedacht und ihre zwei miteinander verknüpften Handlungsstränge werden zielstrebig auf den Höhepunkt und die Aufklärung am Ende hingeführt.
  Eine Schwäche hat der Krimiteil allerdings. Eine ziemlich offensichtlich tatverdächtige Person wird lange Zeit von den zwei „Detektiven“ weitgehend ignoriert. Die meisten Leser werden darum ziemlich bald erahnen, wer den Mann getötet hat.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.