Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Oliver Henkel
Wechselwelten

Accra BoD
252 Seiten
€ 13,98


Von Christian Pree am 28.09.2004

  Nach den Romanen "Die Zeitmaschine Karls des Großen" und "Kaisertag" hat Oliver Henkel nun einen Band mit Kurzgeschichten herausgebracht, die verschiedene Alternativwelt-Szenarien teilweise nur anreißen, teilweise einen detaillierten Ausschnitt bringen. Die Länge ist ganz unterschiedlich, sie reicht von 3 bis 64 Seiten.
  Summa summarum war das Buch sehr interessant, es waren einige Alternativen dabei, die noch nicht allzu sehr abgenützt sind bzw. die mir so noch nicht untergekommen sind. Der Druck ist *sehr* augenfreundlich, nebenbei bemerkt.
  Ein bißchen weniger hat mir gefallen, daß in einigen der Stories nur die Abweichung selbst geschildert wird, aber nicht über Konsequenzen spekuliert wird. Die sind aber gerade auch interessant.
 
  Zu den einzelnen Stories:
 
 "Ein neunter Oktober"
 
  Geschildert wird die Situation in Leipzig 1989. Wieder einmal ist eine riesige Demonstration unterwegs. In den Seitenstraßen hat sich Volkspolizei und Armee gesammelt und wartet auf Befehle. Der Befehl kommt - und es ist ein Schießbefehl von Mielke...
  Die Folgen sind absehbar, und diese Geschichte ist einer der Anrisse - sie beginnt und endet mit dieser Demonstration. Der weitere Geschichtsverlauf, also die Konsequenzen, wird nicht beschrieben.
 
 "Der Adler ist gelandet"
 
  Ein Lübecker Kaufmann versucht, endlich seinen Vertrag über die Versorgung der spanischen Armee vor Granada mit Stockfisch unter Dach und Fach zu bringen. Das ist reichlich mühsam, denn der spanische König hat nur wenige Termine frei. Da trifft er einen etwas seltsamen Italiener, der auch auf eine Audienz wartet, um endlich seine Expedition finanziert zu bekommen. Die beiden kommen ins Gespräch...
  Die Story hat meiner Ansicht nach zwar relativ geringe Plausibilität, aber die Idee ist einfach gut, und im Ergebnis hochinteressant. Aber auch hier wird nicht über das unmittelbare Ereignis hinausgegangen.
 
 "Auf daß er die Menschen erlöse"
 
  In einem Satz: Judas bekommt Gewissensbisse...
  Das gehört IMO zu den Settings, die schon reichlich in alle Richtungen abgeklopft wurden. Die Geschichte ist gut, aber sie hat mir keine wesentlichen neuen Blickpunkte gebracht. Auch deswegen, weil die Konsequenzen der Abweichung nicht geschildert werden.
 
 "Kalifornia Dreaming"
 
  Das ist die kürzeste Story. Nun ja. Mit der konnte ich nicht so wirklich etwas anfangen.
 
 "Mr. Lincoln fährt nach Friedrichsburg"
 
  1857. Abraham Lincoln soll in Karolina einen geflohenen Sklaven davor bewahren, wieder zurück in einen Sklavenstaat gebracht zu werden. Die Verhandlung findet in Friedrichsburg, dem früheren Charleston, statt - einer preußischen Kolonie.
  Die Story an sich ist gut, die Prämisse interessant. Nur eines verstehe ich nicht: Wenn aus irgendeinem Grund (anderer 7-jähriger Krieg) Preußen eine Kolonie in Nordamerika hat, dann erzeugt das mit Sicherheit so viele Abweichungen, daß es recht unwahrscheinlich ist, daß Lincoln die gleiche Rolle wie in unserer Zeitlinie spielt. Mich hätte auch interessiert, wie Karolina wirklich zustande kam, und was die geopolitischen Folgen sind - auch in Europa.
 
 "Die Unsterblichkeit des Harold Strait"
 
  Das ist eigentlich keine Alternativweltgeschichte, sondern klassische Zeitreise-SF. Da erfindet wer eine Zeitmaschine, die es erlaubt, für 24 Stunden den Körper eines Menschen aus der Vergangenheit zu übernehmen und zu kontrollieren. Und es kommt, wie es kommen muß: Irgendwann sind die Zeitreisenden nicht mehr damit zufrieden, nur zu beobachten.
  Als Zeitreise-Geschichte fein, als Alternativweltgeschichte ... naja.
 
 "Aus den 'Symposien' des Nikandros von Athen"
 
  In Form eines überlieferten altgriechischen Dialogs wird vom weiteren Schicksal Alexanders des Großen berichtet, nachdem er sich von seiner schweren Krankheit erholt hat. Sein nächstes Eroberungsziel: Rom. Womit er nicht gerechnet hat: Rom gibt sich nicht nach einer Schlacht geschlagen, sondern stellt das nächste Heer auf. Es läuft auf ein beiderseitiges Ausbluten hinaus, bis es vor Rom zur Entscheidungsschlacht kommt...
  Eine interessante Variante.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.