Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Mario Vargas Llosa
Der Hauptmann und sein Frauenbataillon
(Pantaleón y las visitadores, 1973)

Suhrkamp
1984
Übersetzt von Heidrun Adler
284 Seiten
€ 8,50 [D]


Von Alfred Ohswald am 02.09.2004

  Als es immer wieder zu Übergriffen durch Soldaten gegenüber Frauen kommt, beschließt die peruanische Armeeführung, eine geheime Versorgung dieser Soldaten durch Prostituierte einzuführen. Mit der Durchführung dieser Aufgabe wird der als sehr loyal bekannte Hauptmann Pantaleón Pantoja beauftragt.
  Er reist mit seiner Frau und seiner Mutter, die ebenfalls nichts über diesen Auftrag erfahren dürfen, in das Amazonasgebiet ist die Stadt Iquitos und stellt sich dort seinen, von seinem Auftrag wenig begeisterten Vorgesetzten vor.
  Er beginnt sich im Halbweltmilieu der Stadt umzusehen und wirbt drei einigermaßen kauzige Mitarbeiter, einen Chinesen, eine schon in die Jahre gekommene Puffmutter und ihren zwergwüchsigen Liebhaber, an. Mit ihnen richtet er ein heruntergekommenes, etwas abseits gelegenes, Armeegebäude halbwegs her, organisiert ein Boot und ein Flugzeug und wirbt die ersten vier Mädchen an. Damit beginnt er Militärstützpunkte im Amazonasgebiet zu „betreuen“ und das Unternehmen entwickelt sich dank seines organisatorischen Talents prächtig, so dass er bald immer mehr Mädchen braucht, um die Nachfrage zu stillen.
  Aber natürlich weckt er mit seinem Erfolg auch Widerstand, Neid und Begehrlichkeiten.
 
  In diesem Roman benutzt Vargas Llosa die Satire, um die Militärs in seinem Land bloßzustellen. Es ist über weite Strecken eine Art Briefroman, nur dass die Briefe meist Meldungen und Berichte zwischen den militärischen Dienststellen sind, was durch ihren unverwechselbaren Stil zu reichlich unfreiwilliger Komik führt.
  In den dazwischen liegenden, normalen Passagen wechselt Vargas Llosa extrem häufig, von Absatz zu Absatz, den Schauplatz zwischen zwei oft total verschiedenen Handlungssträngen. Das und ab und zu eingeflochtene Traumpassagen führt zu einiger Verwirrung beim Lesen, bis man sich etwas an den ungewohnten Rhythmus gewöhnt hat.
  Das Militär ist zwar die Hauptzielscheibe Vargas Llosa, aber auch die Kirche, die Presse und seine Landsleute bekommen einiges von seinem satirischen Spott ab. Die Hauptfigur des Hauptmanns ist dabei der Typ des naiven Tors, der geradezu mit Feuereifer immer tiefer auf die sich abzeichnende Katastrophe zustrebt. Dabei bleibt nicht nur seine Anstrengung unbelohnt, auch seine moralische Integrität bleibt auf der Strecke und seine strenge Loyalität ist schließlich auf gewisse Weise die entscheidende Ursache seines Scheiterns.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.