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David Greenberg / Patti Smith / John W. Smith
Strange Messenger
The Work of Patti Smith

The Andy Warhol Museum
2003
80 Seiten
$ 19.95


Von Volker Frick am 11.08.2004

  Patricia Lee Smith, eher bekannt unter dem Namen Patti Smith, ist Jahrgang 1946. Sie ist Lyrikerin, Künstlerin und Rockmusikerin. Bekannt geworden in den 70ern mit vier ungewöhnlichen Langspielplatten. „Horses“ war der Titel der ersten Platte (mit „Gloria“ und „Birdland“), die aufhorchen ließ. Dann „Radio Ethopia“ mit „Pissing in the River“ und dem exaltierten Titelstück, gefolgt von „Easter“ mit „Because the Night“ und „Rock’n’Roll Nigger“. Dann verabschiedet sie sich mit „Wave“ und einem Sturz von der Bühne nebst Genickwirbelbruch.
  „Kick out the jams, motherfuckers!“ Patti Smith heiratet Fred ‚Sonic' Smith, Mitbegründer der MC 5, und wird zweifache Mutter. 1988 erscheint „Dream of Life“. Dann stirbt ihr Mann, dann stirbt der Fotograf, Freund und Mitstreiter Robert Mapplethorpe, dann stirbt ihr Bruder. „Gone again“ erscheint 1996, ein Jahr später „Peace and Noise“. Im Jahre 2000 „Gung Ho“, 2002 die Compilation „Land (1975-2002)“. Dann wechselt sie die Plattenfirma. Ihre jüngste Platte „Trampin’“ hat sie gerade auch auf einigen Konzerten in Europa vorgestellt.
  „Language is a virus“. Die Kunst der Patti Smith ist die kalligraphische Zeichnung, etwas, in dem Wort und Bild zueinander finden. In ihrer Frühzeit vollständig dem eigenen verschwommenen Image als Künstlerin erlegen - hier eine Hommage an Jim Morrison, da die Huldigung von Rimbaud – finden sich in ihren Lyrics die Namen von de Kooning, Brancusi oder Pollock, dessen energetische Bilder Patti allein darob schätzt, da Pollock während seiner Arbeit u. a. John Coltrane hörte, dem sie wiederum bei ihrem diesjährigen Köln-Konzert den Song „Birdland“ widmete. Und es war auf den Tag genau dessen 37ster Todestag.
  „Strange Messenger“ ist der Titel dieses Katalogs einer Ausstellung, die um die Jahreswende 2002/03 im Andy Warhol Museum in Pittsburgh premierte, danach auf Reisen ging, und um die Jahreswende 2003/04 im Haus der Kunst in München zu sehen war. Der Katalog enthält wenige ältere Arbeiten, vorab „Les Nuits d’eté“ von Patti Smith: „The towers are gone. Long live the towers. May they never be built again.“ Die Straßen von Baghdad. In Asche gehen die mesopotanischen Frauen, senken den Blick vor dem großen Fluß, dem Baum des Wissens, der in den Himmel wächst: Zivilisation. Die Welt dreht sich, der perfekte Zirkel. Baghdad, das Museum. Sie erfanden die Null, aber sie bedeutet uns: nichts. Die Kinder rennen auf die Straße: shock & awe. Das 21. Jahrhundert begann am 11. September 2001.
  Bye bye plane. In Fachidiotenkreisen wird Patti Smith völlig zu Recht als Vorläuferin des Punk und New Wave gehandelt. Zurück in Köln widmete sie den Song „Jubilee“ Veith Turske, einem Galeristen der Stadt, der 1977 eine erste Ausstellung mit zeichnerischen Arbeiten von ihr initiierte. Es war gleichzeitig ihr erster Auftritt in Europa überhaupt.
  Es gibt einen weiteren Text von Patti Smith in diesem Ausstellungskatalog. Er ist betitelt „Twin Death“ und besteht aus Tagebuchnotizen nach 9/11/1. Sie erinnert Pieter Brueghels Bild vom „Turmbau zu Babel“. Und zugleich dies rudimentäre Stahlgerüst, das, was übrig blieb vom WTC, später dann ‚Ground Zero’ genannt. Sie erkennt in diesem Stahlskelett zwei Finger, die aufwärts weisen: das Victory-Zeichen. Und so umkreist sie in ihren Zeichnungen dieses Relikt mit wahrhaft babylonischer Zeitgenossenschaft. Manch Zeichnung besteht nur aus Worten. Stimmengewirr. Ein früher Gedichtband von Patti Smith trug den Titel ‚Babel’. Patti Smith ist dort angekommen, wo sie immer schon war, und die Souveränität ihrer Kunst lädt ein zum Staunen. Wer mag.

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