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Rudolf Kraus
ich bin mein treuer killer

Edition Doppelpunkt
1999
165 Seiten
€ 12,- [A]


Von Elisabeth Schawerda am 18.07.2004

  Der Titel des Lyrikbandes „ich bin mein treuer killer“ versetzt den Leser ins Grübeln: Da wird ganz cool ein stabiles Destruktionsverhältnis zu sich selbst ausgesprochen, da wird dem trivialen TV-Krimiwort amerikanischer Provenienz „killer“ „treu“ zugestellt, ein Adjektiv mit altem deutschen Gütesiegel! Auch besteht der Autor darauf, nicht Gedichte, sondern Sprachminiaturen zu schreiben. Was ist denn da der Unterschied? Miniaturen sind im gewöhnlichen Sprachgebrauch Bilder, hier aber geht es um Texte mit präzisen, gestochen scharfen Aussagen – kann man sie auch nicht immer durchschauen, was vermutlich nicht unbeabsichtigt ist, so stechen sie dennoch. Denn das Gesagte geht uns alle an. Es wird nicht mit Worten gemalt und nicht in Bildern geschwelgt. Die Zügel bleiben immer straff. Diese Miniaturen sind wahrscheinlich spröde Kost, denkt man zuerst. Ein kompakter Inhalt muss Platz haben auf kleinem Raum, aber Überfüllung kommt nicht in Frage. Stehen auch nur einige kurze Zeilen, so ist die Sprache alles andere als asketisch. Die verwendeten Metaphern sind manchmal so überraschend neu, so frisch gebacken aus bisher noch nie kombinierten Zutaten, dass man sie gar nicht als Metaphern wahrnimmt – die Identität zwischen Wort und Inhalt ist dann perfekt, nichts hat Platz dazwischen.
  Aber das Spiel mit der Sprache ist ein ernstes Spiel, der Leser genießt zwar den Witz, doch Rudolf Kraus hat mehr zu bieten als Geistesblitze. Zuweilen legt man das Buch zur Seite, um den poetischen Gehalt von fünf kurzen Zeilen langsam auf der Zunge zergehen zu lassen. Diese Poesie jedoch schmilzt nicht so leicht: „der regen deiner träume / dringt ein in mich / triefende nässe im herzen / die sinne scheinen überflutet / jetzt wären meine tränen süß“ (herbstzeitlos). Oder „schwarz in mir / wär’ gern bei dir / gedanken machen krank / schlafen tötet sanft / ich bin mein treuer killer“ (instinkt).
  Diese Poesie ist ein muskelstarkes Geschöpf, eine kleine Athletin, sehr lebendig und von großer Eigenwilligkeit. Sie tanzt nicht, sie will nicht anmutig sein, aber ihre Bewegungen haben die Musikalität des Herzschlags mit gelegentlichen Extrasystolen.

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