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J. G. Ballard
Vermilion Sands
(1973)

Vintage
2001
208 Seiten


Von Till Westermayer am 01.07.2004

  Ballard gilt als einer der großen Sciencefiction-Autoren der 'New Wave', „Vermilion Sands“ als ein typisches Buch für ihn, ein Klassiker surrealistisch angehauchter Sciencefiction (wenn Ballard nicht Brite wäre, läge der Vergleich mit einer nordamerikanischen Variante des lateinamerikanischen magischen Realismus fast noch näher; oder auch der Vergleich mit Hemingways „Garten Eden“).
 
  Lässt sich „Vermilion Sands“ unvoreingenommen lesen? Vermutlich nicht. Eine relativ objektive Beschreibung: neun Kurzgeschichten, die alle im titelgebenden Wüstenressort spielen, in denen es fast immer um Männer geht, die etwas über Frauen erzählen, und über Kunst: singende Blumen, singende Statuen, psychotrope Häuser, in den Wahnsinn abgleitende Avantgarde-Filme und kaputte Literaturmaschinen. Ansonsten passiert nicht viel: Männer verlieben sich oder werden verlassen, Kunstwerke geschaffen oder zerstört. Das alles vor dem Hintergrund einer zwischen Hollywood-Dekadenz und nahem Untergang schwankenden Ferienkolonie, die - so jedenfalls legen die Verweise auf Cannes und Venedig es nahe – in ihrer surrealen Wüstenhaftigkeit mediterranen Charakter aufweisen soll; die für mich trotzdem unweigerlich eher nach den Stereotypen amerikanischer Wüsten klingt. Die Vergangenheit von Vermilion Sands ist unsere, seine Gegenwart nicht; die Fremdartigkeit des Ressorts ist subtil, und wirkt im Abstand von dreißig Jahren teilweise veraltet (die Drehknöpfe an den Literaturmaschinen, der Hype um singende Statuen und Kunstrichtungen). Letztlich: ein interessanter Rückblick auf eine heute vergangene Zukunft, aber keine fesselnde Lektüre.

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