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Andreas Weber
Lanz

Müller
2004
191 Seiten
€ 18,- [D]


Von Rudolf Kraus am 14.06.2004

  Andreas Weber erzählt in „Lanz“ die Geschichte einer österreichischen Kleinstadt in den späten 60er Jahren. Mitten in die Idylle der Provinz passiert ein Mord an einem jungen Mädchen, zwei tote Affen werden gefunden und plötzlich ist der Friede und die Ruhe der Kleinstadt massiv gestört.
  Nachdem auch noch Heinrich Dürer, ein angesehener Bürger von Lanz, Selbstmord begeht, überschlagen sich die Ereignisse. Raimund Jordan, ein geheimnisvoller Fremder, taucht in der Kleinstadt auf und löst Unruhe aus. Private Ermittlungen und schlussendlich eine eingebrachte Klage offenbaren, dass der Bürgermeister und damalige Ortsgruppenleiter Paul Reck kurz vor Kriegsende eine Frau Anna Jordan wegen angeblicher Rassenschande unter Beteiligung etlicher Ortsbewohner ermorden ließ.
  Der Ich-Erzähler, ein junger Journalist, freundet sich mit Raimund Jordan an und berichtet von seinen eigenen Recherchen, die er rund um das mysteriöse Verschwinden von Anna Jordan angestellt hatte.
  Nach und nach kommt die Wahrheit, eine wirklich schreckliche Wahrheit an Tageslicht, die von Gräueltaten, Euthanasie und von einem Konzentrationslager während der NS-Zeit berichtet, das vor Kriegsende wieder verschwunden war.
  Das Finale dieses Romans löst eine Beklemmung und Sprachlosigkeit aus, die lange nachwirkt.
  Andreas Weber beschreibt über weite Strecken in flüssiger, mit vielen Dialogen durchzogenen Sprache das relativ unaufgeregte Leben in der Kleinstadt Lanz. Erst nachdem sich die Schuld einiger Bewohner offenbart, die jahrelang diese Zeit verdrängt hatten, bricht diese Idylle in sich zusammen. Auch wenn dieser Roman eine Fiktion ist, so trägt er doch etwas dazu bei, was in Österreich jahrzehntelang als Vergangenheitsbewältigung nicht stattgefunden hat.

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