Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Christian Hölzl (Hrsg.)
Die Pyramiden Ägyptens
Monumente der Ewigkeit

Christian Brandstätter Verlag
2004
344 Seiten


Von Klaus Richter am 31.05.2004

  Der vorliegende, von Christian Hölzl herausgegebene und ansprechend gestaltete Band ist der Katalog zu der von Wilfried Seipel konzipierten Ausstellung „Die Pyramiden Ägyptens, Monumente der Ewigkeit“, die zur Zeit in der Schallaburg in Niederösterreich stattfindet. Es gliedert sich in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt enthält Beiträge verschiedener Fachleute über die verschiedenen Facetten der altägyptischen Pyramiden, der zweite Teil einen Katalog mit ausführlicher Beschreibung der Ausstellungsgegenstände.
  Der Beitragsteil ist eine Anthologie, die einen Überblick über die wichtigsten Themengebiete gibt und zugleich ausführlich über die neuesten Erkenntnisse über ägyptische Pyramiden informiert. Zu den Autoren der Anthologie gehören Richard Bußmann, Michael Haase, Elfriede Haslauer, Christian Hölzl, Regina Hölzl, Peter Jánosi, Frederike Kamp-Seyfried, Angelika Lohwasser, Daniel Polz, Wilfried Seipel und Nina Wolf. Die Beiträge richten sich an den interessierten Laien und zeichnen sich durch eine leicht verständliche und spannende Darstellung des sehr komplexen und faszinierenden Themas „Pyramiden des alten Ägyptens“ aus. Jeder Beitrag wird durch einen Anmerkungsapparat ergänzt, der dem interessierten Leser den Weg zu weiterführender Literatur weist. Zudem stellen die Beiträge eine ausgezeichnete Einführung in die faszinierende Welt der Pyramiden des alten Ägyptens dar und werden durch eine Auswahl ausgezeichneter Fotografien und Grafiken bereichert. Dadurch ist der Band nicht nur eine lohnende Lektüre für den Besucher der Ausstellung, sondern zugleich eine Bereicherung für jeden, der sich für ägyptische Pyramiden interessiert. Auch der Einsteiger wird auf dem Buchmarkt zur Zeit kaum ein geeigneteres und umfassenderes Buch finden. Werfen wir einen Blick auf einige ausgewählte Beiträge des Bandes.
  Wilfried Seipels einleitender Beitrag „Die ägyptischen Pyramiden – Deutungen und Mißdeutungen“ entführt den Leser in die Welt der Interpretation der Pyramiden durch griechische, christliche und islamische Historiker der Antike und des Mittelalters bis hin zu Mißdeutungen der Neuzeit und Moderne. Während die antiken und mittelalterlichen Schriftsteller, unter ihnen Diodor von Sizilien, Herodot oder al-Makrizi, die Pyramiden vor dem Hintergrund verlorengegangen Wissens interpretierten, verliefen und verlaufen viele moderne Spekulationen (Pyramidenzoll, geheime Kammern und Initiationsriten) im Schatten der wissenschaftlichen Erforschung durch die Pyramiden durch die Ägyptologie. Hier reicht das Spektrum von Piazzi Smyth, Ralston Skinner und der Theosophin Helena Blavatsky zu Peter Tompkins und dem oberösterreichischen Elektrotechniker Hermann Walthauser, der in der Cheops-Pyramide ein riesiges Pumpensystem sieht. Treffend weist der Autor auf die Unhaltbarkeit derartiger Spekulationen hin und betont, dass sich diese Spekulationen alle auf ein Bauwerk konzentrieren, nämlich die Pyramide des Cheops, ohne dabei das Umfeld der Pyramide und andere Pyramiden zu berücksichtigen.
  Die Beiträge des Wiener Ägyptologen Peter Jánosi beschreiben die Entwicklung des Pyramidenbaus von den abydenischen Grubengräbern der frühdynastischen Zeit bis zur 6. Dynastie, der letzten Dynastie vor dem Ende des Alten Reiches und dem Beginn der ersten Zwischenzeit (ab ca. 2190 v. Chr.). Jánosi beschreibt, wie sich die erste Stufenpyramide Ägyptens, errichtet für Djoser (3. Dynastie, ca. 2687 – 2668 v. Chr.) aus den Grubengräbern der 1. und 2. Dynastie entwickelte und von Snofru (4. Dynastie, ca. 2649 – 2609 v. Chr.), dem König, der die meisten Pyramiden des alten Ägyptens errichtete, zur echten Pyramide weiterentwickelt wurde, formvollendet erbaut in Dahschur. Snofrus erste Pyramide wurde in Meidum errichtet, bevor er sich entschloss, ein noch größeres Grabmal in Dahschur zu bauen. Dieses Projekt erwies sich jedoch als Fehlschlag: Der Untergrund erwies sich als ungeeignet, zudem war der Neigungswinkel zu steil angesetzt und musste während des Baus geändert werden. Heute prägt diese Pyramide ein typischer Knick, nach dem sie auch benannt worden ist. Erst im letzten Anlauf gelang es den Baumeistern des Königs, mit der „Roten Pyramide“ (in Ägypten hieß sie „Erscheinung des Snofru“) die erste perfekte Pyramide Ägyptens zu errichten. In ihr wurde der König auch zur Ruhe gebettet. Unverdientermaßen stehen Snofrus Bauleistungen im Schatten der Bauleistung seines Nachfolgers Cheops (altäg. „Chufu“, ca. 2609 – 2584 v. Chr.). Dieser ließ auf dem Giza-Plateau bei Kairo die größte Pyramide Ägyptens errichten, genannt „Horizont des Chufu“. Der Bau zeichnet sich durch ein besonderes Kammersystem aus: Es erstreckt sich nicht, wie bei Snofru, in der Horizontalen, sondern ist vertikal errichtet worden. Ansonsten entspricht es in der Zahl der Kammern den Pyramiden Snofrus, auch findet sich in der Kultpyramide der Knickpyramide eine Vorgabe für das Kammersystem. Die zweite große Pyramide in Giza wurde von Chephren errichtet und trug den Namen „Chephren ist der Größte“. In den folgenden beiden Dynastien änderten sich Größe und Bauweise der Pyramiden: Wurden sie in der 4. Dynastie komplett aus Stein errichtet und von einer Außenverkleidung umgeben, ging man jetzt dazu über, Pyramiden aus Lehmziegeln zu errichten. Die nötige Stabilität wurde durch die Außenverkleidung gewährleistet. Zugleich wurden die Pyramiden kleiner, die ihnen zugehörigen Totentempel dagegen größer. Möglicherweise waren es ökonomische Gründe, die zu dieser Änderung zwangen, möglicherweise aber auch die begrenzte Zeit, die zur Errichtung der Pyramide zur Verfügung stand: So manche Pyramide war zum Zeitpunkt des Todes ihres Grabherren nicht fertiggestellt. In einem letzten Beitrag informiert Jánosi über den aktuellen Kenntnisstand zum Pyramidenbau.
  Michael Haase beschäftigt sich mit den Schachtsystemen der Cheops-Pyramide. Im Mittelpunkt seines Beitrages stehen jene Schächte, die sowohl von der Königs- wie auch der Königinnenkammer abgehen. Die Schächte der Königinnenkammer stehen seit 1993 im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses: Damals wurde im Rahmen der „Upuaut-2“-Mission im Südschacht ein Blockierstein entdeckt. 2002 wurde unter enormen Medienaufwand ein Loch in diesen Stein gebohrt und ein Blick dahinter riskiert: Die von so manchem erwarteten Schätze blieben aus, statt dessen zeigte sich ein unspektakulärer Hohlraum, der zum Kernmauerwerk der Pyramide abschließt. Im Nordschacht der Königinnenkammer wurde ein ähnlicher Blockierstein entdeckt, jedoch bislang nicht weiter erforscht. Interessant ist neben diesen Forschungsergebnissen auch die Frage, welchen Zweck die Ägypter mit diesen Schächten verfolgten: Handelte es sich um Modellkorridore für die Seele des verstorbenen Königs oder handelte es sich um Belüftungskanäle für die Arbeiter? Diese Streitfrage ist derzeit noch nicht beantwortet.
  Der Katalogteil enthält eine ausführliche Beschreibung der Ausstellungsobjekte, unter denen sich einmalige Gegenstände aus der über 3000 jährigen Geschichte des alten Ägyptens befinden, die einen Besuch der Ausstellung mehr als lohnend machen. So kann der Besucher den Kopf einer Königsstatue bewundern (Kat.Nr. 48), bei der es sich möglicherweise um eine Darstellung von Cheops, dem Erbauer der größten Pyramide auf dem Giza - Plateau handelt. Zwei weitere als „Gerät „ und „Kugel“ aufgeführte Gegenstände führen den Besucher in die Geschichte der Erforschung des Schachtsystems der Königinnenkammer (Kat.Nr. 62 und 63): Sie wurden 1872 von Waynman Dixon, dem Entdecker des Schachtsystems, im unteren Abschnitt des nördlichen Schachtes gefunden und sind tatsächlich verwendete Werkzeuge oder Modellwerkzeuge, die der Seele des Königs auf magische bei der Öffnung des Schachtes helfen und ihm so den Weg in den Himmel ermöglichen sollten (folgt man der umstrittenen Theorie, dass es sich bei den Schachtsystemen der Cheops-Pyramide um „Modellkorridore“ handelt).
  Der Band wird abgerundet durch zwei Karten, die über die wichtigsten Stätten des alten Ägyptens und Nubiens sowie die Pyramidennekropolen in Unterägypten informieren, eine Chronologie der Herrscher Ägyptens und Nubiens, zwei ausführliche Tabellen über die königlichen Grabanlagen der 3. bis 13. Dynastie sowie die bislang bekannten Pyramiden der Königinnen der 4. bis 13. Dynastie und ein Glossar.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.