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Heinrich Steinfest
Cheng

Lübbe
1999
268 Seiten


Von Rudolf Kraus am 04.04.2004

  In seinem nunmehr dritten Wien-Roman benützt der Wiener Autor und Maler Heinrich Steinfest, der vor kurzem den Würth-Literatur-Preis der Tübinger Poetik-Dozentur für eine Kriminalkurzgeschichte erhalten hat, abermals das Sujet des Kriminalromans, um einer spitzen, skurrilen Satire den nötigen Nachdruck zu verleihen.
  Markus Cheng, Privatdetektiv und Wiener Chinese, der jedoch kein Wort Chinesisch spricht, wird mit einem Fall betraut, der ihn in höchste Kreise der Wiener Gesellschaft führt, wo es bei weitem nicht so fein zugeht, wie es der Name vermuten ließe. Wien erstickt inzwischen in einer Schneekatastrophe, die unglücklicherweise nicht den Untergang zur Folge hat.
  Chengs Klient wird ermordet und auch er selbst trägt Spuren davon, die ihn mit einer für einen Privatdetektiv nicht vorteilhaften Behinderung ausstatten. Er kommt einer gar nicht unüblichen Machenschaft von Prominenten und Politikern auf die Spur, die mit Toxinen für militärische Zwecke zu tun hat. Eine Dame mit sportlichen Fähigkeiten setzt aber dem Leben einiger in diesen Deal verwickelten Herren ein jähes Ende und verweist in kryptischer Form immer wieder auf den Namen St. Kilda. Cheng ist ein bitterböser Kriminalroman, der beträchtliche Portionen von Komik und Satire enthält. Seien es österreichische Machtstrukturen oder die Befindlichkeiten der Wiener Kulturgesellschaft, nichts ist vor Steinfests scharfzüngiger Feder sicher. Je tiefer sie in den Fortgang der kriminalistischen Handlung vordringen, desto deutlicher werden die Konturen eines aus dem Hintergrund hervortretenden Bildes einer doppelmoralischen Gesellschaft, die nur der exzellenten Pinselführung eines dem Realismus verpflichteten Künstlers entstammen können.

Von Alfred Ohswald am 10.04.2004

  Ranulph Field wird von einer geheimnisvollen Frau ohne für ihn ersichtlichen Grund bedroht und beauftragt deshalb den Privatdetektiv Markus Cheng, um herauszufinden, wer diese Frau ist und was sie von ihm will. Cheng ist in Wien geboren, stammt aber von chinesischen Eltern ab was nicht zu übersehen ist und häufig zu Missverständnissen führt. Bald nach dem Beginn von Chengs fruchtlosen Ermittlungen ist sein Auftraggeber tot. Aber die geheimnisvolle Frau nimmt Kontakt zu Cheng auf und vereinbart ein Treffen mit ihm. Cheng fährt hin, was seiner Gesundheit ziemlich abträglich ist.
  Eigentlich sollte er ja jetzt gewarnt sein, aber Cheng lässt sich von seiner Neugier zu weiteren Nachforschungen in dieser Sache treiben und es geschehen tatsächlich bald weitere Morde.
 
  Ein recht typischer Steinfest-Krimi, der Held wird in eine Mordserie verwickelt, die sich gegen Ende des Romans als hochkomplexe Geschichte, die tief in der Vergangenheit wurzelt, erweist. Ganz am Schluss gibt es noch einige zusätzliche Verwirrung, die aber nicht mehr eindeutig aufgeklärt wird. Der Held wird kräftig in die Mangel genommen und es gibt für ihn nicht unbedingt ein Happy End. Allerdings schafft es Steinfest, wie auch immer, den malträtierten aber scheinbar unverwüstlichen Cheng in „Ein sturer Hund“ wieder auftauchen zu lassen. Man fragt sich allerdings, in welcher körperlichen Verfassung.
  Durchsetzt ist das alles, auch typisch Steinfest, mit jeder Menge satirischer Bemerkungen der sarkastischsten Art. Grob vergleichbar mit Tom Sharpe, aber konkreter, meist intelligenter und bissiger, ungefähr das Gegenteil zum gutartigen Humor von Terry Pratchett & Co.
  Es wird höchste Zeit, dass Steinfest neben Alfred Komarek und Wolf Haas als Spitzenvertreter unter den aktuellen österreichischen Krimiautoren genannt wird, auch wenn er mittlerweile nach Stuttgart gezogen ist.

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