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Pat Barker
Das Auge in der Tür
Hörbuch
(The Eye in the Door, 1993)

Hörbuch Hamburg
2004
Übersetzt von Matthias Fienbork
€ 18,40 [D]


Von Alfred Ohswald am 03.04.2004

  England 1917 am Höhepunkt des 1. Weltkrieges hat an der „Heimatfront“ alle Hände voll zu tun, um mit Krieggegnern, Deserteuren und den Psychosen der Kriegsheimkehrer fertig zu werden. Krieggegner, Deserteure und Homosexuelle werden brutal verfolgt, Kriegsdienstverweigerer mit allen Mitteln in die Uniform gepresst. In dieser Atmosphäre gedeihen natürlich Misstrauen und Verrat.
  In „Das Auge in der Tür“ versucht der Psychologe Rivers den kriegsgeschädigten Männern über ihre Psychosen hinwegzuhelfen und ihre traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Der junge Offizier Prior ist einer seiner Patienten, er leidet unter immer wieder kommenden, mehrstündigen Blackouts. Erst nach einiger Zeit erfährt er, dass er in dieser Zeit eine andere Persönlichkeit wird und Dinge tut, die sein normales Selbst verabscheut. Seine Reaktion darauf ist konsequent.
 
  „Das Auge in der Tür“ ist der mittlere Teil einer Trilogie der Autorin über den 1. Weltkrieg, wobei bei ihr nicht die Erlebnisse an der Front im Mittelpunkt stehen, sondern die vom Krieg traumatisierten Männer und das Schicksal von Außenseitern, besonders Homosexuellen, in der Heimat. Über das Grauen des Grabenkrieges erfährt man hier meist nur in kurzen Erinnerungen und Nebensätzen, die Rolle der Außenseiter unter dem besonders starken Druck einer extremen Zeit steht im Mittelpunkt des Interesses von Pat Barker. Darum sind ihre Romane auch nicht mit den berühmten Antikriegswerken „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus oder Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ vergleichbar. Die Psyche ihrer Figuren ist ihr viel wichtiger, als die Beschreibung der physischen Qualen in den Schützengräben, obwohl diese vielleicht gerade durch die sparsame Erwähnung durchaus ständig präsent sind.
  Die gekürzte Hörbuchfassung wird in passend ruhiger Form von Ulrich Pleitgen ohne musikalische oder sonstige Effekte gelesen. Er hält sich dabei unaufdringlich im Hintergrund, nur beim manchen Szenen, wie z.B. wenn Dialoge gestottert gesprochen werden, macht sich sein Können deutlich bemerkbar.

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