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Thomas Glavinic
Der Kameramörder

dtv
2003
157 Seiten
€ 8,- [D]


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Von Alfred Ohswald am 02.04.2004

  Ein Paar fährt zu einem befreundeten Paar in die Weststeiermark auf ein paar gemeinsame erholsame Tage. Dort erfahren sie aus den Fernsehnachrichten von einen grausamen Doppelmord an zwei Kindern direkt in ihrer Umgebung. Zwischen Abscheu und Faszination schwankend, verfolgen sie gespannt die weitere Entwicklung der Dinge. In- und Ausländische Medien stürzen sich förmlich auf das Ereignis und in der benachbarten Kleinstadt ist die Hölle los. Der Mörder hat seine Tat sogar mitgefilmt und das Video wurde einem deutschen Privatsender zugespielt.
  Zwischen Jause, Federball und Tischtennis verfolgen die zwei Paare weiter das Geschehen. Der männliche Teil des Gastgeberpaares giert geradezu nach jeder Neuigkeit und der benachbarte Bauer pacht bereits seine alte Flinte aus, während die Jagd nach dem Mörder dem Höhepunkt entgegen treibt.
 
  Der ganze Roman ist aus dem Blickwinkel der meist zuhause die Nachrichten verfolgenden zwei Paare geschrieben, die Leser sind ebenso nur Beobachter wie die Protagonisten. Aber noch ungewöhnlicher ist die Form dieses Romans, er ist wie ein Unfallbericht an eine Versicherung, einen Schulaufsatz oder ein etwas holpriges Polizeiprotokoll geschrieben. Oft unpassende oder einigermaßen falsch benutzte Wörter und eine unbeholfen wirkende Erzählweise bewirken diesen offensichtlich gewünschten Eindruck bis an und über die Grenze zur „unfreiwilligen“ Komik („Oft musste Eva, die an einer Schwäche eines Ausscheidungsorganes leidet, aufs WC“).
  Der Roman ist kein Krimi im engeren Sinn, es ist mehr eine Satire auf unsere, von den Medien bestimmten Welt und die Sensationslüsternheit der Menschen. Ein, gerade durch seine ungewöhnliche Form, gelungenes Unterfangen. Mit den Protagonist quasi auf engem Raum gefangen, wartet der Leser, ebenso gespannt wie sie, auf den Fortgang der Ereignisse.

 

 

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