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Erich Sedlak
Ikarus oder Die Zerbrechlichkeit der Flügel

Edition Vabene
2004
166 Seiten
€ 21,90 [A]


Von Rudolf Kraus am 01.04.2004

  Erich Sedlak beschreitet in seinem neuen Roman neue Ufer, denn er verlässt die gewohnte satirische und humoristische Ebene und begibt sich auf ein ernstes und ernsthaftes Terrain, das sich irgendwo zwischen Seelenlandschaften und der Heimstätte des vielzitierten Todes befindet.
  „Ikarus“ beschreibt sozusagen als Psychogramm das langsame und leidvolle Sterben des Vaters aus der Sicht und mit den Empfindungen des Sohnes, dargestellt aus einer neutralen, unsichtbaren Erzählerposition. Der Sohn muss dem Vater am Sterbebett versprechen, jenen Arzt zu ermorden, der durch eine offensichtlich falsche Behandlung die tödliche Krankheit des Vaters verursacht hat. Über ein Jahr lang muss der Sohn zusehen, wie sein Vater sinnlos leidet und dahinsiecht. Dieses Jahr bietet aber auch die Möglichkeit, dass die beiden zueinander finden, denn ihr Verhältnis war alles andere als entspannt. In vielen Erinnerungen und Traumbildern erlebt der Sohn Sequenzen aus seiner Kindheit, eigentlich aus seinem gesamten bisherigen Leben, aber immer in Bezug auf den Vater, sei es im Mittelpunkt oder auch nur am Rande. Es entsteht dadurch eine derart intensive Auseinandersetzung, die sich natürlich auf das Verhältnis der beiden positiv auswirkt. Als der Vater dann wirklich stirbt, erbebt das Haus seiner Familie, es poltert und kracht, wie wenn der Tod durchs Haus gewirbelt wäre.
  Bei einem Familienurlaub in Kroatien schreibt der Sohn ein Gedicht, das ihm beinahe aus den Fingern rinnt und mit den Worten „Flügellahm dem Abgrund zu...“ beginnt. Nachweislich und durch einen Telefonanruf bestätigt, ist in diesem Moment sein Bruder bei einen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Diese Erlebnisse verstärken eigentlich nur dieses ungemein charaktervolle Psychogramm und sie begeben sich niemals in esoterische und sektenhafte Gefilde, sondern bleiben immer mit beiden Beinen auf der Erde.

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