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Eva Rossmann
Freudsche Verbrechen
(2001)

Lübbe
2003
333 Seiten
€ 6,90 [D]


Von Alfred Ohswald am 01.04.2004

  Als eine junge amerikanische Studentin im Sigmund-Freud-Museum in Wien ermordet wird, ruft Ulrike, die Angestellte des Museums, die die Tote gefunden hat, ihre ehemalige Schulfreundin Mira Valensky an. Mira ist Lifestyle-Journalistin, wurde aber wegen ihrer Neugier bereits einmal in einen Kriminalfall verwickelt. Das ging damals durch alle Medien, weshalb Ulrike zuerst an sie denkt, nachdem sie die Polizei verständigt hatte und die zu lange Zeit nicht auftauchte.
  Es gibt kaum Hinweise, die junge Amerikanerin wollte eine Arbeit über das Freud-Museum schreiben und scheint noch kaum jemand in Wien kennengelernt zu haben. Nur den Freund den eifersüchtigen Ulrike, einen Psychiater, lernte sie im Museum kennen und er hat ihr angeblich Wien gezeigt. Bald ist auch dieser Psychiater tot und der Verdacht fällt auf Ulrike.
  Nur eine einzige Spur führt Mira weiter, sie hat in dem Buch, dass die junge Amerikanerin zuletzt im Museum las, einen Zettel mit der Adresse einer Villa in einer guten wiener Gegend gefunden. Und dieser Zettel sollte sie bis nach New York und zurück in die Nazi-Zeit führen. Die Lösung des Falls beginnt mit Ereignissen aus dieser dunklen Zeit.
 
  Eva Rossmanns Figuren zeichnen sich durch große Lebensnähe und Glaubwürdigkeit aus. Ihre Heldin Mira Valensky lebt allein mit ihrem Kater Grismo, Beziehungen zu ihren jeweiligen Partnern sind eher von Distanz geprägt. Ihre große Liebe gehört der italienischen Küche, was in dem Roman auch immer wieder beschrieben wird. Noch besser gelungen ist die Figur der bosnischen Putzfrau von Mira namens Vesna, zugleich Freundin und stets abenteuerlustige und mit reichlich Improvisationstalent gesegnete Komplizin. Besonders ihr gutes, aber lange noch nicht perfektes Deutsch hat die Autorin grandios und punktgenau getroffen, da ist nicht die kleinste Überzeichnung drin. Man meint, dieser selbstbewussten, patenten und recht humorvollen Frau gegenüberzustehen.
  Das Thema des Krimis ist Arisierung, nicht wirklich außergewöhnlich aber gut in den Fall integriert. Allerdings ist es kaum glaubwürdig, dass eine Journalistin so wenig darüber informiert ist, wie hier die Heldin. Dazu ist das Thema zu präsent in den Medien. Diese Hintergrundinfos für die Leser hätte Rossmann auf andere Art einbauen sollen.
  Eine weitere kleine Schwachstelle ist am Ende die eher unmotivierte Konfrontation der Heldin mit dem Mörder, man erinnert sich an diverse Horrorfilme, wo jemand mitten in der Nacht in den Keller mit dem Ungeheuer arglos herumwandert. Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum sie in selbst zu stellen versucht, wohin soll er den plötzlich verschwinden? Aber das ist nur ein kurzes Detail und wirft keinen merkbaren Schatten auf diesen sonst, vor allem aufgrund der gelungenen Charakteren aber auch der gut konstruierten Handlung, recht guten Krimi.

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