Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Jasper Fforde
Der Fall Jane Eyre
(The Eyre Affair, 2001)

dtv
2004
Übersetzt von Lorenz Stern
376 Seiten
€ 14,50 [D]


amazon.de

 

 

Von Alfred Ohswald am 31.03.2004

  Die Agentin Thursday Next gehört zu SO-27 der Special Operations Networks, den LitAgs, die sich um literarische Fälschungen und den Schutz von Originalmanuskripten kümmern. Als das Original von „Martin Chuzzlewit“ von Dickens gestohlen wird, ohne dass der Dieb die geringste Spur hinterlassen hat und auch auf den funktionierenden Überwachungskameras nichts zu sehen ist, merkt sie schnell, dass sie es mit einem ungewöhnlichen Täter zu tun hat.
  Bald darauf bittet sie ein Mann von der hochgeheimen SO-5 um Mitarbeit, er ist schon sehr lange hinter dem gleichen Verbrecher her, der „Martin Chuzzlewit“ auf so rätselhafte Weise gestohlen hat. Der Dieb war Acheron Hades, ein höchst intelligenter, absolut skrupelloser Krimineller mit übermenschlichen Eigenschaften, der in jungen Jahren einmal Nexts Professor war und dessen Aussehen sie deshalb kennt. Bei der Überwachung der Wohnung seines Bruders taucht dann Hades überraschend tatsächlich auf, ein Versuch ihn festzunehmen endet allerdings in einem Desaster. Nur Next überlebt mit knapper Not.
  Im Krankenhaus erfährt sie, dass Hades angeblich bei seiner Flucht getötet wurde, doch sie hat so ihre Zweifel. Besonders, weil der alles beherrschende Industriekonzern Goliath Corporation ein besonders Interesse zu haben scheint, dass diese Version geglaubt wird.
 
  Jasper Ffordes Roman spielt in einer Parallelwelt, in der Literatur eine ungleich wichtigere Rolle spielt und manchmal regelrecht zum Leben erwacht. Anhänger verschiedener klassischer Autoren konkurrieren heftig miteinander und tragen die Namen ihrer Idole. In ihr gibt es genetisch nachgezüchtete Dodos, der Krimikrieg zwischen England und Russland dauert bereits 130 Jahre, es gibt keine Düsenflugzeuge, aber Vampire und Wehrwölfe und einen scheinbar unverwundbaren, ins Absurde überzeichneten Superbösewicht.
  Der Roman wimmelt förmlich vor Anspielungen, in erster Linie natürlich aus der englischen Literatur. Allerdings entsteht nie der Eindruck einer übertriebenen Gelehrsamkeit, eher trifft man den einen oder anderen Kalauer an. Ebenso zahlreich sind die skurrilen Ideen in dem Buch, fast auf jeder Seite werden die Leser mit neuen mehr oder weniger originellen Absonderlichkeiten konfrontiert. Ein literarischer Monty Python.
  In England ist der Waliser Jasper Fforde mittlerweile zum Kultautor aufgestiegen und wird in einem Atemzug mit Douglas Adams oder Terry Pratchett genannt. Direkte Ähnlichkeiten hat dieser Roman kaum welche mit den Büchern der Beiden, an ihren Wortwitz kommt er nicht heran. Aber er hat andere Stärken.

 

 

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.