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Alfred Komarek
Die Villen der Frau Hürsch

Haymon
2004
201 Seiten
€ 17.90 [D]


Von Alfred Ohswald am 15.03.2004

  Daniel Käfer war Chefredakteur des angesehenen Magazins „IQ“ und nimmt sich nach dessen Einstellung eine Auszeit. In seiner Kindheit verbrachte er oft herrliche Ferien in Aussee im steirischen Salzkammergut und nun will er dort wieder alte Erinnerungen auffrischen und Entspannen. Mit seinem Auto aus Studententagen, einem Citroen 2CV, besser als „Ente“ bekannt, macht er sich auf den Weg und bezieht ein kleines privat vermietetes Zimmer.
  Bei Wanderungen, baden in den Seen und Gasthausbesuchen lernt er einige Einheimische kennen. Besonders mit dem Sohn seines Stammwirtes verbringt er viel Zeit. Mit ihm ist er auch unterwegs, als er einen versteckten Gedenkstein aus dem Jahr 1933 findet, auf dem der Name „M. Käfer“ eingeritzt ist. Sofort fesselt ihn der Gedanke, dass er auf die Spur einer Verwandten gestoßen ist, so unwahrscheinlich es auch sein mag.
  Von seinem älteren Bruder erfährt er, dass es tatsächlich eine Großtante dieses Namens von ihm in Aussee gegeben hat, die als Dienstmädchen dort gearbeitet hat. Käfer versucht mehr über sie herauszufinden und kommt langsam dem tragischen Schicksal dieser Mizzi Käfer auf die Spur.
 
  Alfred Komrek neuer Roman ist in erster Linie eine Liebeserklärung an Aussee und beschreibt über weite Strecken diese Gegend und ihre Bewohner. Die Geschichte um die Suche nach den Spuren einer lange verstorbenen Verwandten gibt dabei nur die Rahmenhandlung vor, im Zentrum stehen das Land einige Charaktere. Da sind Peter, der Sohn und Anna die junge, schöne Tochter des Wirten, Frau Schlömmer, seine Zimmervermieterin, der exzentrische Schiller, der unbedingt als Einheimischer akzeptiert werden will, die noble Villenbesitzerin Hürsch und noch einige andere, die Daniel Käfer kennenlernt.
  Es ist ein ruhiges Buch, noch ruhiger als die Polt-Krimis waren. Waren im Weinviertel Polts noch die dort auch herrschende Tristesse in den Büchern präsent, macht sich hier die beschauliche Ruhe von Aussee auch stilistisch bemerkbar. So hat es etwas von einer Reiseerzählung eines begeisterten Urlaubers und hätte durchaus mehr Tragödie und Drama hinter der schönen Kulisse vertragen. Hängen bleiben, neben den Beschreibungen der Gegend, die hervorragenden Charakterzeichnungen Komareks.

Von Rudolf Kraus am 28.05.2004

  Daniel Käfer, ein gebürtiger Grazer und ehemaliger Chefredakteur der angesehenen Münchener Zeitschrift „IQ“, die samt seiner Person „entsorgt“ wurde, begibt sich ins steirische Ausseerland, wo er als Kind die Sommerferien verbracht hatte. Hier will er Ruhe finden, sein Leben neu ordnen und herausfinden, was seine Zukunft sein könnte. Doch ganz so einfach, wie er sich das vorgestellt hat, wird sein Aufenthalt nicht. Obwohl er mit beinahe kindlicher Freude den Plätzen seiner Kindheit nachforscht und genüsslich in Erinnerungen schwelgt, findet er dennoch kaum Zugang zu den Einheimischen, die ihn wie jeden anderen Fremden mit Misstrauen begegnen.
  Allerdings stößt Daniel Käfer in alter journalistischer Manier auf die Spur einer Maria Käfer, die er als seine Großtante Mizzi identifiziert. Jene Maria Käfer hatte als Dienstbotin im Ausseerland gearbeitet und war 1933 spurlos verschwunden. Bei weiteren Recherchen findet er heraus, dass die letzte Arbeitgeberin von Mizzi Käfer eine gewisse Frau Hürsch war, die noch immer die Familien-Villa bewohnt. Schlussendlich erhält Daniel einen alten Koffer von Frau Hürsch, der den Nachlass seiner Großtante enthält. Darin befindet sich das Dienstbotenbuch, ein altes Dokument, in dem aber einige Seiten fehlen.
 
  Alfred Komarek legt mit „Die Villen der Frau Hürsch“ einen spannenden Roman vor, der zeitgenössischer nicht sein könnte. Er bewegt sich elegant wie ein Seiltänzer über ein vertrautes Terrain, denn hier finden sich Elemente eines Kriminalromans genauso wie Konturen eines modernen Heimatromans. Die Beschreibung der Landschaft und bestimmter Eigenheiten sowie die Typologie der handelnden Personen sind präzise und ausgesprochen faszinierend herausgearbeitet. Ein brillantes Buch, das man nach der letzten Seite nicht so einfach beiseite legt, nein, es hört nicht so schnell zu wirken auf.

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