Ray Bradbury Der illustrierte Mann (The Illustrated Man, 1951)Diogenes 2002 Übersetzt von Peter Naujack 317 Seiten € 9,90 [D]
Von Alfred Ohswald am 03.02.2004 Die Kurzgeschichtensammlung wird von einer sehr kurzen Rahmengeschichte umangen, die eigentlich eher unnötig ist. Es geht dabei um einen Mann voller Tätowierungen, die sich nachts zu bewegen anfangen und Geschichten erzählen. Diese Grundidee hat übrigens später auch Clive Barker auf seine Kurzgeschichten-Reihe „Das Buch des Blutes“ in ähnlicher Form verwendet. Die 18 Kurzgeschichten selbst sind allesamt dagegen ausgezeichnet und Klassiker im Science-Fiction-Genre. Die Zeitbedingten Irrtümer, wie bewohnter Mars und manch eigentümliche Technik, die von der Entwicklung überholt wurde oder sich ganz anders entwickelte, muss man dabei ignorieren. Es ist ohnehin nicht technologieorientierte Science Fiction, sondern beschäftigt sich mit den Menschen und besonders der Gesellschaft in der die leben. Bradburys Zukunftsvisionen sind meist Dystopien (negative Utopien) und würden nicht selten auch in einer Horror-Kurzgeschichtensammlung passen. Und sie sind von einer literarischen Qualität, wie sie zu der Zeit ihrer Entstehung, wo Science Fiction sonst fast nur in Groschenheften zu finden war, sehr ungewöhnlich war. Und, nicht zuletzt, sind die Geschichten spannend und unterhaltsam zu lesen. Es sind stilistisch eher konventionell geschriebene Kurzgeschichten, meist mit der typischen Pointe am Ende. Ihre einzige Schwäche ist oft ihre Vorhersehbarkeit, wirklich überraschende Wendungen sind bei Bradbury eher selten zu finden.
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