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Jürg Amann
Mutter töten

Haymon
2003
107 Seiten
€ 15,90


Von Rudolf Kraus am 20.01.2004

  Der Schweizer Schriftsteller Jürg Amann, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet, legt mit „Mutter töten“ in vier miteinander verschmolzenen Erzählungen die Beziehung eines Sohnes zu seiner Mutter dar. Diese offensichtlich autobiographisch gefärbte Beziehung ist nicht unproblematisch, aber welche Mutter-Sohn-Beziehung ist das schon.
  „Die Reise“ führt den Sohn gemeinsam mit der Mutter ins Heimatdorf des verstorbenen Großvaters im italienischen Teil der Schweiz. Vor Ort erlebt er die bittere Erfahrung, wie man verleugnet werden kann. Der Mutter wird mit Ablehnung und Misstrauen begegnet und selbst die Schwester ihres Vaters will die Vaterschaft verleugnen. Der Sohn erlebt mit seinen Kinderaugen, dass die Mutter ein ungewolltes Kind war.
  „Nachtstück“ erzählt vom jugendlichen Brüderpaar, gegen dessen pubertäre Eskapaden die Mutter sich mit Androhungen von drakonischen Strafen (die nie passieren würden) und ihrem angedrohten Selbstmord zu helfen versucht.
  In „Mutter töten“ sieht sich der inzwischen erwachsene Sohn mit einer altgewordenen, kranken und sterbesehnsüchtigen Mutter konfrontiert. Seine inneren Konflikte mit der Mutter bringen ihn jedoch immer näher an sie heran. Als sie den Urlaubsort des Vaters bzw. Ehemannes besuchen und die Mutter zusammenbricht, trägt er sie zurück ins Hotel.
  Im letzten Kapitel „Requiem“, das in mehrere sehr poetische und nahegehende Abschnitte unterteilt ist, findet er sein Verhältnis zur Mutter endgültig heraus. Er schließt Frieden mit ihr und mit sich, findet seine Liebe, seine Zuneigung zu ihr heraus.
  Jürg Amann verlässt nie den Pfad der Feinfühligkeit und Ernsthaftigkeit. Behutsam nähert sich in diesem Buch dem Phänomen Mutter, sei es aus Kinderaugen betrachtet oder aus den Gefühlen eines längst erwachsenen Mannes zu seiner sterbenden bzw. toten Mutter. Die Sprache ist klar und einfühlsam und bisweilen von einer poetischen Zärtlichkeit.

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