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Samuel Beckett
Lang nach Chamfort

Insel
2003
Übersetzt von Wolfgang Held
55 Seiten
€ 11,80 [D]


Von Volker Frick am 12.01.2004

  Im Jahre 1973 ist Samuel Beckett trotz mehrerer Schicksalsschläge und Hiobsbotschaften in einer stoischen Lebensstimmung. “Die Zeit”, schreibt er am 22. August des Jahres an Kay Boyle, “schwitzt so was wie einen letzten Blutstropfen aus, so kostbar und so wertlos.” Der Artist des Mißlingens macht sich daran Chamfort-Maximen umzudichten.
  Acht Maximen von Sébastien Roch Nicolas Chamfort im französischen Original nebst Übertragung sind die englischen Knittelverse Becketts nebst Übertragung gegenüber gestellt. Chamfort starb am 13. 4. 1794 in Paris an den Folgen eines Selbstmordversuchs. In einem kenntnisreichen Nachwort bringt Wolfgang Held, der auch die Übertragung besorgte, dem Leser Chamfort nahe, der eigentlich erst bekannt wurde durch seine postum erschienenen Anekdoten und Aphorismen, die die Heuchelei seiner Zeit zum Thema haben. Auch eine gewisse Nähe dieses Moralisten zu dem am 13. 4. 1906 in Dublin geborenen Samuel Beckett kann Wolfgang Held herstellen, der, dies sei erwähnt, auch die fulminante Beckett-Biografie von James Knowlson ins Deutsche hob.
  Die Nachdichtungen dieser Maximen von Chamfort durch Beckett sind Verdichtungen. Wenn Chamford der Anschaulichkeit halber ein indisches Sprichwort in den Sinn kommt, nimmt Beckett nur dieses: “Better on your arse than on your feet, / Flat on your back than either, dead than the lot.” Und die Übertragungen von Wolfgang Held werden dem Original gerecht, jenem Schriftsteller, dem mit seiner ureigenen schwarzen Komik jedes Wort als Fleck auf dem Schweigen galt.

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