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Heinrich Steinfest
Ein sturer Hund
(2003)

Piper
313 Seiten
€ 8,90 [D]


Von Rudolf Kraus am 06.01.2004

  „Ein sturer Hund“ ist Heinrich Steinfests sechster Krimi, gleichzeitig der zweite „Cheng“-Roman um den austrochinesischen Privatdetektiv Markus Cheng und sein erstes Buch bei Piper.
  Schauplatz ist Stuttgart wie in Steinfests letzten Romanen, jedoch für Cheng ein neues Pflaster, da er sich ja bislang durch Wiens Gassen und Lokale schlug. Nun bevor Markus Cheng ins Geschehen tritt, vergehen gut hundert Seiten, was aber der Unterhaltung keinen Abbruch tut, da der Autor einen tiefen Einblick in das Seelenleben eines anderen Schriftstellers namens Moritz Mortensen gewährt, der wie ein Großteil aller Autoren chronisch erfolglos ist. Aber nicht nur das, er entdeckt sozusagen den ersten Leser seiner Bücher und gefangen in einer besessenen Ergriffenheit davon (man könnte es auch Eitelkeit nennen) verfolgt er diesen bis nach Hause. Tragischerweise beobachtet er den potentiellen Leser nicht bei der Lektüre der Mortensenschen Romane, sondern beim Sterben. Spektakulär noch dazu, da des Opfers Kopf vom Körper getrennt wurde und in einem Aquarium landet. Mortensen hat an der Seite des Opfers eine Frau beobachtet, der Ermittlungen der Polizei bringen aber einen männlichen Verdächtigen hervor.
  Der erfolglose Autor wagt es nicht, sich bei der Polizei zu melden. Er beauftragt nach reichlicher Überlegung den Privatdetektiv Markus Cheng mit dem Fall. Cheng stößt bei seinen Ermittlungen auf die Spur einer äußerst talentierten Porträtistin mit dem Hang zur rituellen Köpfung. Zwei Polizisten, die vom Stuttgarter Hauptkommissar Rosenblüt auf Cheng angesetzt werden, verlieren bedauernswerte Weise im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf.
  Eine psychiatrische Klinik am Rande der Schwäbischen Alb erweist sich nicht nur als Ort vieler Geheimnisse und Schicksale, sondern als letzte Bastion ausrangierter oder ausgeflippter MitarbeiterInnen des britischen Secret Service mit einem besonders ausgeprägten Sinn für Geheimnistuerei, die für diese Sache auch vor Mord nicht zurückschrecken. So überschlagen sich auch manche Ereignisse, wobei Leichen dabei wohl eingeplant sind, da sie schlussendlich am besten schweigen können. Markus Cheng übersteht überraschender Weise das kuriose Finale furioso unverletzt und gibt sich in der friedvollen Umgebung eines Friedhofes detektivisch-philosophischen Gedanken hin.
  Heinrich Steinfest verblüfft in „Ein sturer Hund“ titelgemäß mit einer kunstvollen Konstruktion des Krimiplots, die eine durchgehende Konzentration abverlangt, aber gleichzeitig die Steinfest’schen Stärken gehobener literarischer Unterhaltung und stichelnder Satire ausspielt. Seine Figuren zeichnen sich nicht nur – wie immer – durch scharfe Konturen aus, sondern zeigen ganz gewöhnliche, menschliche Züge. Der eine oder andere könnte sich selbst darin entdecken. Einige Sequenzen erlebt man sogar aus der Sicht Lauschers, dem gar ungewöhnlichen Hund Markus Chengs. Wer am Ende ein sturer Hund ist, bleibt der werten Leserin/dem werten Leser zu beurteilen überlassen.

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