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John Sandford
Mortal Prey

Berkley Publishing Group
2003
387 Seiten


Von Eberhart J. Theuer am 30.12.2003

 Die Besprechung basiert auf der amerikanischen Taschenbuchausgabe.
 
 Weitere Ausgaben:
 Deutsch: „Tödliche Hochzeit“, Taschenbuch (Goldmann 2003).
 Englisch: Gebunden; Großdruck; Hörbuch, gelesen von Richard Ferrone (ungekürzt), Eric Conger (gekürzt) als Kassette, als CD nur in gekürzter Form.
 
 
 Rezensiert von Eberhart Theuer
 
 
 John Sandford und seine Romane
  Der „Prey“-Thriller, die (will man dem Buchrückentext und Angaben im Internet glauben schenken) der Pulitzer-Preisträger John Camp unter dem Pseudonym John Sandford geschrieben hat, gibt es viele: Fünfzehn bisher.
  Alle „Prey“- Romane haben neben dem gleichen Wort im Titel die Hauptfigur gemeinsam: Den Polizisten Lucas Davenport, wohnhaft in Minneapolis, wie der Autor.
  „Mortal Prey“ bietet ein Wiedersehen mit der bereits aus „Certain Prey“ (deutsch: Spur der Angst) bekannten Killerin Clara Rinker.
 
 Zur Lesbarkeit in der Originalsprache
  Vor der Schilderung des Inhaltes sei angemerkt, daß ich die englische Fassung gelesen habe und daher keine Auskunft über die Qualität der deutschen Übersetzung geben kann. Der im Deutschen gewählte Buchtitel wirkt freilich etwas lahm und tut dem Roman unrecht.
  Allgemein ist Mortal Prey vokabelmäßig nicht besonders anspruchsvoll, so daß der Leser auch mit mittlerem englischen Wortschatz ohne ständiges Nachlagen im Wörterbuch auskommt.
 
 Inhalt – Aufriss und Setting (keine „Spoilers“)
  Zur Einstimmung, der Anreißer aus der englischen Taschenbuchausgabe:
  „Years ago, Lucas Davenport almost died at the hands of Clara Rinker, a soft-spoken Southern beauty, and one of the FBI’s most wanted killers. Now they’re crossing paths again – on an interstate revenge spree triggered by a sniper’s bullet that robbed Clara of her lover and her unborn baby. With nothing left to lose, she can only be stopped by Davenport – or count him among his victims....”
 
  Die Auftragsmörderin Clara Rinker hat sich in Mexiko unter anderem Namen ein neues Leben aufgebaut. Von ihrem Verlobten Paulo erwartet sie ein Kind, von seiner Familie wird sie geschätzt. Niemand weiß von ihrer Vergangenheit. Bis in Form eines anderen Auftragsmörders, der Clara und Paulo von einem Kirchturm aus ins Visier nimmt, das Unglück über sie hereinbricht. Paulo wird tödlich verwundet, Clara überlebt schwerverletzt, verliert aber das Kind. Der Killer selbst wird von seinem Fahrer getötet.
 
  Die Familie von Claras Verlobtem ist keine Mexikanische Durchschnittsfamilie – sie ist die einflußreiche Drogensippe der Mejia und weiß nichts von Rinkers ehemaliger Doppelexistenz. Aber nach dem Anschlag, würde sie es früher oder später erfahren, und wer weiß, ob „Schwiegervater“ Raul Mejia dann noch immer so wohlgesonnen wäre.
  Clara Rinker verbringt also noch einen Monat auf der Ranch der Mejias, übt schießen, ehe sie untertaucht. Sie läßt sich auf dem Seeweg unbemerkt zurück in die Staaten schmuggeln, von dort führt sie ihre Route nach San Francisco wo sie in einem Golfshop Waffen kauft, dann weiter über zahlreiche US-Bundesstaaten (S. 73 unten), nach St. Luis, Missouri das ganz nahe an der Ostgrenze, jener zu Illinois, liegt.
 
  Inzwischen erfährt auch Lucas Davenport von dem Anschlag auf jene Killerin, mit der er einmal getanzt hatte – ohne zu wissen wer sie war. Lucas läßt gerade ein Haus bauen (eine langatmige Schilderung) daß er mit seiner schwangeren Verlobten Weather Karkinnen beziehen möchte.
  Er fliegt gemeinsam mit den FBI-Agenten Mallard und Mallone (mit der er einmal eine Affäre hatte) nach Cancun, Mexiko, wo der Anschlag stattgefunden hatte. Während des Fluges, sieht sich Lucas Davenport den mehrere hundert Seiten starken FBI-Bericht über Rinker an, der auch Licht auf ihre traurige Kindheit wirft.
  In Cancun treffen die Drei auf einen Beamten der Mexikanischen Bundespolizei zwecks Unterredung mit Raul Mejia und seinen Söhnen. Einen Tag später wird der Diaz, Fahrer des Wagens des Killers in bemitleidenswertem Zustand vorgefunden. Er stirbt, bevor Lucas und die anderen ihn zu Gesicht bekommen. Sagen hätte er ohnehin nicht viel können – ihm wurde die Zunge herausgeschnitten. Eine eindeutige Nachricht der Familie Mejia, daß sie keineswegs weich geworden ist. Die Verstümmelung des Fahrers passierte etwa zur gleichen Zeit, in der Lucas und Co. die Unterhaltung mit Raul Mejia und Söhnen hatte – ein gutes Alibi für letztere. „I knew that Diaz was a walking dead man“ meint der Mexikanische Polizist „But I hoped to find him before he died.“ He looked at the body again, reluctantly. „I was late“ (62).
 
  Zurück aus Cancun, daheim in Minneapolis, Hauptstadt des Midwest-Staates Minnesota, hat Lucas Davenport eine Unterredung mit seiner Chefin, Rose Mary. Aus Politischen Gründen wird diese ihren Posten als Chefin der Polizei nicht mehr lange halten können. Da sie aber Einfluß im Staate Minnesota hat, wird sie Chefin eines neuen speziellen Teams des dortigen Justizministeriums werden, und Lucas wird ihr folgen, ein Handlungsstrang, der in diesem Thriller nicht weitergeführt wird, aber wohl für zukünftige Prey-Romane von Bedeutung sein könnte.
  Ansonsten passiert zunächst einmal nicht viel.
 
  Und Rinker?: „What had made her a good killer – besides the lack of revulsion with the job – was her ability to plan. She planned with yellow pads, not in words and paragraphs, but in triangles and spirals, a few with names above them, some with lines connecting them to other symbols“ (72). „Lying on her bed in Sacramento, she wrote four names on her legal pad. John Ross, Nanny Dichter, Andy Levy, Paul Dallaglio. All of them knew her face. All of them had the clout to send a gun to kill her. All of them had probably agreed to do it, since they all talked to each other, wouldn’t have wanted to go against the others and because all four must have been worried about her running around loose.
  The problem was, Rinker knew way too much. She knew were the bodies were buried (...)” (73).
  Rinkers Plan? Ihre Widersacher, die ihr nach dem Leben trachteten, die ihre Familie auf dem Gewissen haben, zu finden und zu töten. Zu diesem Zwecke tätigt sie einige Telefonate, darunter einen etwas eigenartig wirkenden Drohanruf. Und sie besorgt sich Gewehre von jemandem, den sie anscheinend auch nicht sehr gut leiden kann (78ff): T.J. Baker. Sie tötet seine Wachhunde, dringt in sein Haus ein und stiehlt die Waffen.
 
  Dann nimmt Rinker Unterschlupf bei ihrer Schulfreundin, der fetten Dorothy Pollock, die einst ihren Mann mit einem Hammer getötet hatte. Clara hatte ihr eine neue Identität und damit Ruhe vor den Strafverfolgungsbehörden verschafft.
 
 
 Inhalt – Mittelteil (einige Spoilers: Achtung, diesen Absatz nicht lesen, wenn Sie sich die Spannung erhalten wollen!)
  Doch Davenport und seine lokalen Helfer (Polizeibeamte vor Ort, teilweise bereits in Pension, mit denen er sich als anerkannter „local cop“ rasch vertraut machen konnte) kommen schließlich auf Rinkers Spur. Sie rechnen damit, daß Rinker bei einer Freundin Unterschlupf sucht. Rinker verläßt Pollock, nicht ohne ihr einen genialen Ausstieg aus ihrer Mordsache zu ermöglichen.
  Honus Johnson ist Folterknecht einer von Rinkers Widersachern und passionierter Sadist. Auf Rinker „freut“ er sich schon lange. Doch dazu, sie zu foltern soll es nicht mehr kommen. Rinker tötet Honus, verstaut ihn in der Tiefkühltruhe und richtet sich in seinem Haus ein.
  Damit nähert sich das Buch dem Showdown, bei dem es nochmal so richtig turbulent zugeht.
 
 Eignung als Hörbuch
  Auch zum Hören dürfte sich „Mortal Prey“ gut eignen. Obgleich zahlreiche Personen den Roman bereichern, bleibt die Haupthandlung doch auf Rinker und Davenport konzentriert und verläuft geradlinig genug.
 
 Würdigung
  Das Buch bleibt vom Anfang bis zum Schluß spannend. Lediglich die Szene in der Davenport den Bau seines Hauses beaufsichtigt war langatmig und entbehrlich. Die Charaktere wirken realistisch, wenngleich die ihnen eigene Fäkalsprache und der häufige Gebrauch des „F-Words“ auch für Polizeikreise doch etwas übertrieben scheint. Aber dieser Stil dürfte in den USA mehr Anhängerschaft finden, wo jedes „fuck“ im Fernsehen zwar mit einem Piepston versehen wird, aber sich die Leser oder Seher um so lieber daran ergötzen.
 
  Ein wenig unlogisch ist – und hier nehme ich den Schluß vorweg, weshalb Leser, die sich die Spannung erhalten wollen, diesen Absatz überspringen sollten – daß Rinker bis zur Hochzeit wartete für den Anschlagsversuch auf Davenport. Sie hätte ihn doch leicht vorher erwischen können, auf dem Weg zur oder von der Arbeit: Weniger Leute, auch weniger Polizei. Daß die Hochzeit bewacht werden würde hätte sie ja vermuten müssen. Warum hatte sie Davenport überhaupt so sehr gehaßt, daß sie ihn töten wollte und sich der Gefahr einer Festnahme aussetzte? Andererseits: Rinker braucht nicht allzuviel Grund zum Töten und Schwierigkeiten hat Davenport ihr ja gemacht. Auch ihre Bar in Wichita dürfte sie ja wegen ihm verloren haben.
 
  Insgesamt ein spannender Roman, besonders auf einer Reise durch die U.S.A. zu empfehlen, sowie allen, die sich mit einer Reise im Kopf begnügen müssen oder wollen.

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