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John Grisham
The Summons

Dell
2002
384 Seiten


Von Eberhart J. Theuer am 30.12.2003

 Rezensiert nach der US Taschenbuchausgabe.
 Andere Ausgaben:
 Deutsch: „Der Richter“ Taschenbuch (Heyne 2003); Gebunden; Hörbuch auf CD und Kassette, gelesen von Charles Brauer.
 Englisch: Gebunden; Großschrift; Hörbuch, gelesen von Michael Beck (U.S. Ausgabe, ungekürzt), Vincent Marzello (BBC Ausgabe, ungekürzt), Terrance Mann (UK Random House Ausgabe), als CD, Kassette, U.S. Ausgabe auch zum Herunterladen.
 
 
 Charakterisierung
  Auch dieser Roman ist, wie „A Time to kill“ (Grishams erstes Werk), in den Südstaaten angesiedelt (und zwar ebenfalls in Ford County, Mississippi) und ist damit ein interessantes Stück Schilderung der dortigen Verhältnisse. Ähnlich wie bei „The Partner“ geht es um Geld, und darum, wie wirklich viel Geld das Leben eines Menschen bestimmen kann. Anders als bei „The Partner“ kommt die Hauptfigur allerdings recht unverhofft zu diesem Reichtum.
  Die Bedeutung rechtlicher Aspekte ist in diesem Buch geringer als in den meisten von Grishams bisherigen Justizthrillern. Ausnahmsweise ist die Hauptperson auch kein Anwalt, sondern Universitätsprofessor (wenngleich für Rechtswissenschaften).
 
 Inhalt
  Als Ray Atlee, ein seit kurzem geschiedener Professor an der University of Virginia, von seinem Vater, dem Richter Reuben Atlee, „vorgeladen“ wird, ahnt er nicht, welche Überraschungen auf ihn warten.
  Zunächst findet er Judge Reuben Atlee tot vor. Und dann in dessen Haus ein Vermögen von Rund drei Millionen Dollar in Bar.
  Rays Bruder Forrest, Trunkenbold und Drogensüchtler, der des Richters Vorladung nach Mississippi ebenso widerwillig gefolgt ist wie Ray und der den Begriff „schwarzes Schaf“ neu definiert, soll jedenfalls zunächst nichts von dem Vermögen erfahren, und überhaupt beschließt Ray, das Geheimnis vorerst für sich zu behalten. Aber so viel Geld macht auch Sorgen, zumal Ray keine Ahnung hat, woher es stammen könnte und es offensichtlich noch jemanden gibt, der von dem Vermögen weiß und der versucht, in das Haus des Richters einzudringen. Von da an beginnt Ray, den Schatz an verschiedenen Orten zu verstecken, ist gleichsam auf der Flucht, immer in Angst, sein Widersacher, wer immer dies sei, könnte dahinter kommen, ist hin und her gerissen von dem Bedürfnis, die Last des Geldes los zu werden, und der Vorstellung, was er mit dem Vermögen alles anfangen könnte, etwa sich endlich jenes Flugzeug zu leisten, von dem er als Hobbyflieger schon lange träumt. Und als Bruder Forrest freiwillig eine Entziehungskur in einer sündteuren Anstalt machen möchte, hat Ray auch noch einen ethischen Grund, am Geld festzuhalten.
 
  „Though clear thinking was not entirely possible, Ray was able to do some quick math. Assuming there were twenty boxes and that each held a hundred thousand dollars, then the stash greatly exceeded whatever the Judge had grossed in thirty-two years on the bench.“ (50)
 
  Wie der Richter, dessen Hobby es war, sein Geld diversen Bedürftigen und Hilfsorganisationen zu geben, aber nicht etwa seinen Söhnen, zu so einem Vermögen gekommen ist, bleibt für Ray ein Rätsel, mit dessen Lösung er sich die ersten zwei Drittel des Romans herumschlägt, bis er endlich auf eine brauchbare Spur kommt:
  Eine Causa, die der Richter kurz vor seinem Tod abgeurteilt hatte. Es ging um ein Medikament mit tödlichen Nebenwirkungen.
  „The file was four feet thick, but he didn’t care. He had the rest of the summer“ (265).
  Ray trifft sich mit dem Anwalt, der den Fall übernommen hatte und dadurch steinreich wurde.
  Aber wer könnte noch von dem Geld wissen? Die Schriftführerin und ehemalige Geliebte des Judges (Rays Mutter starb früh) schließt Ray bald aus. Auch Harry Rex, der sich um die Verlassenschaftsabwicklung kümmert, Freund und Bewunderer von Reuben Atlee.
 Mehr sei nicht verraten.
 
 
 Würdigung
  Auch in diesem Werk Grishams zeigt sich, daß der gelernte Anwalt weiß, wovon er schreibt.
  Überzeugend wird geschildert, wie eine an sich wohlhabende Person durch die Lockung eines Barvermögens in eine geradezu zwanghafte Situation geraten kann, die sich ihrer Kontrolle entzieht. Der Schluß ist für meinen Geschmack ein wenig unbefriedigend, ein wenig moralisierend, aber nicht unoriginell.
  Ansonsten kommt das Buch kurzweilig daher, der Stil flüssig, seine Anlehnung an die Umgangssprache ist durchaus nicht nur Ausdruck von Grishams Unvermögen, sondern unterhaltsam.
  Eine Kürzung der ein oder anderen Szene hätte der Güte des Buches freilich keinen Abbruch getan.
 
 Eignung zum Hören
  „The Summons“ ist als Hörbuch sowohl auf English als auch auf Deutsch erschienen (siehe oben). Diese Rezension bezieht sich auf die Buchausgabe. Zum Hören dürfte „The Summons“ auf Grund der nicht allzu zahlreichen Hauptpersonen und des klaren Handlungsablaufs meiner Ansicht nach aber gut geeignet sein.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

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