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Michael Haase
Das Vermächtnis des Cheops
Die Geschichte der Großen Pyramide

Langen Müller Herbig
2003
286 Seiten
€ 24,90 [D]


Von Klaus Richter am 22.12.2003

  Mit “Das Vermächtnis des Cheops” legt der Berliner Mathematiker, Pyramidenexperte und Herausgeber des Pyramidenfachmagazins “Sokar” Michael Haase die dritte, aktualisierte Auflage seines 1998 erstmals bei Herbig erschienenen Sachbuches “Das Rätsel des Cheops” vor. Nach wie vor konzentriert sich der Autor auf die größte der ägyptischen Pyramiden, nämlich die vor ca. 4550 Jahren auf dem Plateau von Giza errichtete monumentale Grablege des Pharao Cheops, dem wohl bekanntesten Herrscher der 4. Dynastie. Dabei beleuchtet der Autor zahlreiche Aspekte des Pyramidenbaus: Wie wurde die Basis der Pyramide eingemessen, wie wurden die Seitenkanten orientiert? Wie lösten die alten Ägypter die logistischen Probleme, die mit einem derart gigantischen Bauvorhaben einhergingen? In welchem Zusammenhang steht die Pyramide des Cheops zu denen seines Vorgängers Snofru in Dahschur? Aus welchem Grund entschlossen sich die Baumeister des Cheops, das Kammersystem abweichend von dem aller bisherigen Pyramiden zu errichten? Und welcher technischen Hilfsmittel bedienten sich die Ägypter bei der Errichtung der Pyramide?
  Das sind nur einige der Fragen, die der Verfasser in seinem Buch behandelt. Dabei gelingt es dem Autor vortrefflich, diese Fragen für den Laien leicht verständlich und zugleich faszinierend darzustellen. Er möchte aber nicht nur seine Leser über die wesentlichen Aspekte der bisheriges wissenschaftlichen Erforschung der Pyramide informieren, sondern ihnen zugleich die Möglichkeit geben, selbst vertiefende Recherchen anzustellen. Aus diesem Grunde findet der Leser im Anhang des Buches einen ausführlichen Anmerkungsapparat sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Der Autor gibt nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse wieder, er bringt auch eigene Gedanken in die Diskussion über offene Probleme des Pyramidenbaus ein. Auf der anderen Seite erteilt er haltlosen Spekulationen eine klare Absage, wie beispielsweise der Behauptung, es gebe noch verborgene Kammern in der Pyramide oder die Pyramide sei nicht als Grabmal für Cheops errichtet worden, sondern von unbekannten Kulturbringern in sehr viel früherer Zeit.
  Zwischen 1998 und 2003 hat sich bei der Erforschung der Cheops-Pyramide viel Neues getan, wurden offene Fragen beantwortet und neue Fragen gestellt. Zwei Beispiele, auf die der Autor näher eingeht, sind die Versuche des Experimentalarchäologen Denys A. Stocks, die dieser 1999 in Assuan mit dem Sägen und Bohren von Hartgestein durchführte, sowie die Entdeckungen, die im September 2002 in den Schachtsystemen der Königinnenkammer gemacht wurden. Die Experimente von Stocks legen nahe, dass die Ägypter mit verhältnismäßig primitiven Säge- und Bohrwerkzeugen aus Holz und Kupfer in kleinen Handwerkerteams selbst härtestes Gestein bearbeiten konnten. Und die Erforschung der Schachtsysteme ergab zunächst den Befund, dass sich hinter dem seit 1993 bekannten Blockierstein im südlichen Schacht der Königinnenkammer ein leerer, kleiner Hohlraum etwa auf der Höhe der 74. Steinlage befindet. Im Nordschacht entdeckte man einen vergleichbaren Blockierstein, ebenfalls auf der Höhe der 74. Steinlage. Diese Übereinstimmung sowie eine auf selbiger Höhe befindliche Markierungszeichnung in der “Lady Arbuthnot-Kammer” oberhalb der Königskammer legen den Schluss nahe, dass das Schachtsystem der Königinnenkammer eine bautechnische Funktion hatte, wie es auch der Autor vermutet.
 Auch wer “Das Rätsel des Cheops” gelesen hat, wird angesichts der Fülle an neuem Material nicht an “Das Vermächtnis des Cheops” vorbeikommen. Der Autor vermag natürlich nicht, sämtliche Aspekte der Cheops-Pyramide in einem Sachbuch abzuhandeln, doch gelingt es ihm, die komplexe Baugeschichte der Pyramide verständlich darzustellen und seine Leser für die noch offenen Fragen des Pyramidenbaus zu sensibilisieren. Von daher ist das Buch für jeden, der sich ernsthaft für die Cheops-Pyramide interessiert, ein unverzichtbarer Gewinn.

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