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Eduard Pranz
Selbstverständlich auch unschuldig
Mit Illustrationen von Hubert Schorn

Manz Verlag
2003
118 Seiten
€ 24,90 [A]


Von Alfred Ohswald am 10.12.2003

  Der Autor war 40 Jahre als Rechtsanwalt tätig und da gibt es natürlich zahllose Anekdoten zu erzählen. Besonders in frühren Zeiten dürften sich noch mehr Originale in den Gerichtssälen getummelt haben, deshalb spielen viele der kleinen Geschichten in dieser Zeit. Eduard Pranz begann seine Laufbahn in der Kanzlei des St.Pöltner Anwalts Dr. Starl, der mit seiner Schlagfertigkeit zu diesen Originalen zählte. Dieser Dr. Starl ist sozusagen die Hauptfigur bei etwa der Hälfte der Anekdoten in dem Buch.
  Die Illustrationen von Hubert Schorn lockern die Sache dann noch etwas auf.
 
  Am besten zeigt wohl ein Beispiel, was die Leser zu erwarten haben:
 
 VOR DEM VOLKSGERICHTSHOF
 
  In der Zeit des nationalsozialistischen Regimes hatte Dr. Starl auch manchmal vor dem Volksgerichtshof zu vertreten. Eine Verhandlung vor dem Volksgerichtshof war eine für den jeweiligen Angeklagten oft buchstäblich lebensgefährliche Situation, da der Volksgerichtshof für die geringsten gegen das Regime gerichteten Delikte, drakonische Strafen und oft auch die Todesstrafe verhängte.
  In diesem Fall hatte Dr. Starl zwei einfache Holzknechte aus dem entlegenen Traisental zu vertreten, die beim Abhören eines Auslandsenders erwischt und angezeigt worden waren. Das Abhören von Auslandsendern war ein besonders verpöntes und gewöhnlich mit schweren Strafen belegtes Delikt. Mit angeklagt war eine vornehme Dame aus Wien, gegen die der gleiche Vorwurf erhoben worden war, sodass die beiden Verfahren aus Vereinfachungsgründen zusammengelegt worden waren.
  Die vornehme Dame was vertreten durch einen berühmten Wiener Kollegen, der besonders dafür bekannt war, dass er vor dem Volksgerichtshof sehr erfolgreich verteidigte. Tatsächlich hat er so auch vielen Menschen das Leben gerettet. Er war ebenso bekannt dafür, dass er sehr pathetisch plädierte. Als er nun zum Plädoyer in dieser Sache an die Reihe kam, begann er mit den Worten: „Hoher Volksgerichtshof! Wenn Sie in die Augen meiner Mandantin blicken, schaut Sie die helle Unschuld an.“ In dieser Art sprach er geraume Zeit weiter.
  Dann kam Dr. Starl an die Reihe, stand auf, imitierte seinen Vorgänger bereits im pathetischen Tonfall und sagte: „Hoher Volksgerichtshof! Wenn Sie in die Augen MEINER Mandanten blicken, schaut Sie der helle Blödsinn an.“ Selbst die Mitglieder des so gestrengen Volksgerichtshofes konnten sich der Heiterkeit nicht entziehen, wenn sie die mit niedergeschlagenen Blick stumm dasitzenden, einfachen Holzknechte ansahen. Dr. Starl argumentierte dann damit, dass die beiden doch viel zu dumm dafür seien, um ausländische Radiosender abhören zu können, sie hätten eben an dem Radioapparat hantiert und zufällig sei gerade in dem Moment, als der Anzeiger sie beobachtet habe, ein Auslandssender erwischt worden. Durch die Einleitung seines Plädoyers was das Eis aber bereits gebrochen und die Sache ging tatsächlich für alle Beteiligten sehr gut aus. Alle waren zufrieden. Nur der berühmte Wiener Rechtsanwaltskollege trug Dr. Starl die ganze Sache eine zeitlang nach.
 
  Das Buch ist nicht überall erhältlich, darum zum Schluss noch die E-Mailadresse, unter der es auf jeden Fall zu bekommen ist: bestellen@manz.at

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