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Barbara Kopp
Die Unbeirrbare
Wie Gertrud Heinzelmann den Papst und der Schweiz das Fürchten lehrte

Limmat
2003
319 Seiten
€ 25,- [D]


Von Alfred Ohswald am 21.10.2003

  Gertrud Heinzelmann war die ältere von 2 Töchtern einer kleinbürgerlichen Familie in der schweizer Provinz. Die Familie gehörte der katholischen Minderheit an und pflegte ein ziemlich ausgeprägtes Standesbewusstsein. Gertrud war eine hervorragende Schülerin und begeisterte Bergsteigerin. Aus finanziellen Erwägungen entschloss sie sich für ein Jura-Studium.
  Schon sehr früh entwickelte sie ein starkes Interesse für den katholischen Glauben und die Rolle der Frau in Kirche und Staat. Diese beiden Interessen sollten ihr Leben prägen. Dem Kampf für das Stimmrecht der Frauen in der Schweiz (erst 1971 realisiert!) und die Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche widmete sie sich ihr Leben lang. Bekannt wurde sie hauptsächlich wegen ihrer Eingabe an das 2. vatikanische Konzil, wo sie gegen die Benachteiligung der Frauen eintrat und für sie das Recht zur Priesterweihe forderte.
  Gertrud Heinzelmann war eine ungewöhnliche Frau. In ihrer klaren Intelligenz oft kalt wirkend und gleichzeitig zur mystischen Religiosität neigend, woran nicht zuletzt ein visionäres Erlebnis während einer psychischen Krankheit beteiligt war. Sie entwickelt eine heftige Abneigung gegen ihre eigne Sexualität und hatte das ausgeprägte Standesbewusstsein ihrer Familie geerbt. Sie war kein geselliger Mensch, nur mit Wenigen pflegte sie näheren Kontakt, und auch da fast nur auf intellektueller Ebene.
  Als Bürgerliche, die streng jeden Kontakt zu nur im Entferntesten links erscheinenden Gruppen Abstand hielt, hatte sie einen schweren Stand als Frauenrechtlerin. Das galt noch verstärkt für die katholische Kirche, die sich unter Papst Johannes Paul II. immer weiter von ihren Forderungen entfernte und eine erzkonservative Line in der Frauenfrage durchsetzte.
 
  Die Journalistin Barbara Kopp lernte Gertrud Heinzelmann 1998 kennen und gestaltete über sie die Sendung „Gertrud Heinzelmann – Pionierin aus Berufung“ für DRS (schweizer Fernsehen) und 3sat. In Buchform kann sie natürlich ausführlicher auf das Leben von Gertrud Heinzelmann eingehen und mehr Hintergründe beschreiben.
  Interessant dürfte das Buch in erster Linie für die Leser sein, die sich für die Geschichte des (bürgerlichen) Feminismus oder den Kampf der Frauen um mehr Rechte in der katholischen Kirche informieren möchten. Auch Einblicke in einen bestimmten Bereich der schweizer Geschichte bietet diese Biographie. Aber sonst ist die Person Gertrud Heinzelmanns nicht unbedingt eine charismatische Figur, deren Leben die Leser in den Bann zieht und Barbara Kopp macht sie auch nicht künstlich dazu.

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