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Rosemary Sutcliff
König Artus und die Abenteuer der Ritter von der Tafelrunde
(The Sword and the Circle, The Light beyond the Forest, The Road to Camlann, 1981)

Verlag Freies Geistesleben
2003
Übersetzt von Thomas Meyer
608 Seiten
€ 19,90 [D]


Von Richard Niedermeier am 03.10.2003

  Rosemary Sutcliff (1920-1992) war eine Erzählerin; und zwar eine, die in höchstem Maße dieses Prädikat verdient. Denn sie verstand es, nicht nur Geschichten zu Papier zu bringen, sondern sie zu sprachlichen Kunstwerken auszufeilen, die durch ihre harmonischer Verbindung von Inhalt und Form den Leser in fremde, vergessene Welten mithineinnehmen. Ihre Themen: Geschichten aus der alten keltisch-germanischen Zeit und dem Mittealter, und vor allem die Welt der Sagen. Wer je ihre Nacherzählung der Illias oder der Odyssee gelesen hat, weiß, daß es sich hier nicht nur um verkürzende Wiedergaben, sondern um nahezu kongeniale Nachschöpfungen handelt, die es verdienen, nicht allein von älteren Kindern und Jugendlichen – für die sie eigentlich geschrieben sind -, sondern auch von Erwachsenen angenommen zu werden.
  Aber reden wir von Kindern und Jugendlichen. Da zerbrechen sich kluge Pädagogen die Köpfe, wie man sie vom Fernseher und Videospielen weg und hin zur Literatur und zur Geschichte bewegen kann; da versucht man, aus Altüberliefertem einen Spaß zu machen, nur um seine Attraktivität zu steigern: geistige Luftblasen, die nur zu schnell wieder zerplatzen. Rosemary Sutcliff macht vor, wie es wirklich geht: Nie verfällt der Sagenstoff hier dem leeren Klamauk, stets bleibt er in seinem Ernst und in seiner Würde, ja in seiner unbedingten Größe gewahrt. Literarisches Erlebnis statt oberflächlichem Gaumenkitzel – auch Kinder und Jugendliche registrieren sehr wohl den Unterschied!
  Das alles trifft auch auf Sutcliffs Artus-Erzählungen zu, die der Verlag Freies Geistesleben nunmehr in einer sehr handlichen Sonderausgabe zusammen mit den Geschichten um die Ritter der Tafelrunde herausgegeben hat. Sie umfaßt die ursprünglich getrennt veröffentlichten Bücher „Das Schwert und der Kreis“, „Das Licht jenseits des Waldes“ und „Der Weg nach Camlann“. Artus, Lancelot, Gawain und Perceval, und nicht zu vergessen der Zauberer Merlin, der für das alte, verlorengegangene Wissen aus römisch-britannischer Zeit steht – sie alle werden durch die Sprachgewalt von Sutcliffs Darstellung wieder lebendig.
  Aber es sind nicht nur Heldentaten, die sich in die Phantasie des Lesers einprägen. Da steigen auch Stimmungen ins Gemüt auf: von einer unverletzten, heiligen Natur, von den noch unverstellten Sehnsüchten und dem abgründigen Geheimnis des Menschen. Ein Zauber liegt auf diesen Bildern, der den Figuren Tiefe, den Geschehnissen Bedeutung und den Dingen der Natur Glanz verleiht. Keine Frage, daß Kinder ein solches Ur-Erlebnis zum Aufbau ihrer Persönlichkeit unbedingt nötig haben, weil es in ihnen selbst einen Raum der Freiheit schafft, etwas, das nicht von den Banalitäten und Widerwärtigkeiten des Alltags überwältigt werden kann.
  Überhaupt erhält der junge Leser dieser so lauten Zeit ein Sensorium für das Ferne, das nur mehr in einem leisen Echo vernommen oder, wie Sutcliff selbst in einem Nachwort zum zweiten Buch schreibt, geahnt werden kann. So ist dieses Buch in hohem Maße menschenbildend, wie es auch eine ganz unmittelbare Lesefreude erweckt.

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